Die Hitzewelle, die Deutschland seit dem 18. Juni in Atem hielt, ist seit Montag offiziell beendet. In seiner Zwischenbilanz vom Sonntag verzeichnete der Deutsche Wetterdienst (DWD) Werte, die das Land in dieser Form noch nie gesehen hat: An 252 Wetterstationen wurde seit Beginn der Aufzeichnungen kein höheres Tagesmaximum gemessen, an 46 Stationen in elf Bundesländern lag der Spitzenwert bei oder über 40 Grad. In Neißemünde-Coschen in Ostbrandenburg meldete der DWD am Sonntag 41,7 Grad - den höchsten je in Deutschland registrierten Wert.
Den vorherigen Allzeitrekord von 41,2 Grad aus Tönisvorst und Duisburg-Baerl, aufgestellt im Juli 2019, hatte bereits am Freitag die Station Saarbrücken-Burbach mit 41,3 Grad überholt; am Samstag legten Möckern-Drewitz in Sachsen-Anhalt (41,5 Grad) sowie Seehausen und Waghäusel-Kirrlach (jeweils 41,4 Grad) nach. Auf Helgoland wurde laut DWD erstmals seit Beginn der dortigen Messreihe die 30-Grad-Marke überschritten. Im sächsischen Kubschütz fiel die Temperatur in der Nacht zum Samstag nicht unter 29,4 Grad - der heißeste Nachtwert, den eine deutsche Wetterstation je gemessen hat.
Die gerade zu Ende gegangene Hitzewelle kann ohne Zögern als historisch eingestuft werden.
Mit elf Tagen Dauer brach die Welle auch den Rekord für die Zahl „sehr heißer Tage“ mit Maxima über 35 Grad. Bisher führte Sondershausen mit sieben solchen Tagen aus dem Jahr 1947; jetzt stehen Kitzingen in Bayern und Waghäusel-Kirrlach in Baden-Württemberg mit elf Hitzetagen ganz oben. Auch der bisherige Juni-Bestwert von 39,6 Grad aus Bernburg an der Saale, gemessen am 30. Juni 2019, hat sich nach DWD-Angaben praktisch im Stundentakt erübrigt.
Mindestens 26 Tote bei Badeunfällen
Die Bilanz auf Seiten der Behörden fällt düster aus. Allein zwischen Freitag und Sonntag starben nach Polizeiangaben mindestens 26 Männer und Jungen beim Versuch, sich in Seen, Kanälen und Flüssen abzukühlen; am Donnerstag waren bereits sieben weitere Opfer registriert worden. Tödliche Unfälle meldeten unter anderem die Berliner Polizei, Beamte am Neckar bei Heidelberg, im Mannheimer Umland, in Peine, im Rhein-Herne-Kanal und im hessischen Waldsee Raunheim. Die Deutsche Bahn fuhr nach eigenen Angaben rund 90 Prozent ihres Plansolls, jeder zehnte Zug fiel hitzebedingt aus. Auf der A2 verendeten etwa 150 Hühner, nachdem ein Tiertransport im Stau steckenblieb; mehrere Autobahnabschnitte mussten gesperrt werden, weil der Asphalt aufgebrochen war.
Der nächste Heat Dome rollt an
Eine längere Atempause gönnt das Wetter dem Land nicht. Diplom-Meteorologe Dominik Jung sagte t-online, ab Sonntag baue sich erneut ein massives Hochdruckgebiet über Mittel- und Westeuropa auf - die nächste Heat-Dome-Lage, getrieben durch ungewöhnlich warmes Oberflächenwasser im Nordatlantik. Das US-Wettermodell GFS rechne dabei örtlich wieder mit Werten um 40 Grad. „Es sieht so aus, als würde sich das gleiche Muster der vergangenen Tage wiederholen“, sagte Jung, „das ist dramatisch.“ Der DWD selbst gibt sich vorsichtiger: Am Wochenende erwartet die Behörde zunächst Spitzenwerte um 31 Grad am Oberrhein, von Montag bis Mittwoch dann verbreitet 30 bis 35 Grad und am Oberrhein etwas darüber.