Der Essener Baukonzern Hochtief steigt erstmals in den DAX auf. Wie der Indexbetreiber ISS STOXX am Mittwochabend mitteilte, ersetzt das Unternehmen ab dem ersten Handelstag am 22. Juni die Porsche Automobil Holding SE im deutschen Leitindex. Es ist die erste DAX-Mitgliedschaft in der über einhundertjährigen Geschichte des Konzerns - getragen von einer Kursrallye, die der Finanzdienst Finanznachrichten zuletzt mit einem Plus von rund 190 Prozent binnen weniger Monate bezifferte.

Der Kurs schloss am Mittwoch laut t-online bei 495,20 Euro; gegenüber dem 52-Wochen-Tief liegt die Aktie nach Berechnung der Deutsche Bank Research rund 216 Prozent im Plus. Als Treiber gelten in der Branche drei zusammenlaufende Megatrends: der weltweite Datacenter-Bau im Schatten der KI-Welle, milliardenschwere Infrastrukturprogramme in Europa und den USA sowie steigende Verteidigungsausgaben vieler Staaten. Hochtief, an dem der spanische Bauriese ACS die Mehrheit hält, erwirtschaftet 95 Prozent seines Umsatzes im Ausland und zählt zu den wenigen großen deutschen Baukonzernen mit globaler Reichweite.

Der Geschäftsbericht für 2025 untermauert die Aufwärtsbewegung. Hochtief steigerte den Umsatz um 15 Prozent auf 38,2 Milliarden Euro, unter dem Strich blieb ein Nettogewinn von 902 Millionen Euro. Für das laufende Jahr peilt der Vorstand ein operatives Ergebnis 20 bis 30 Prozent über dem Vorjahresniveau an, der Auftragseingang wuchs zuletzt währungsbereinigt um 27 Prozent auf 15,2 Milliarden Euro. Mancher Analyst verweist allerdings auf die mittlerweile ambitionierte Bewertung: Das geschätzte Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei rund 40.

Porsche SE rutscht ab - VW-Wertberichtigung wiegt schwer

Auf der Verliererseite steht die Stuttgarter Porsche Automobil Holding, die Volkswagen-Großaktionärin. Ihre Free-Float-Marktkapitalisierung war im maßgeblichen Beobachtungszeitraum so weit gefallen, dass das Schwellenkriterium des DAX nicht mehr erreicht wurde, wie finanzen.net berichtete. Hintergrund ist ein schwaches erstes Quartal: Die Porsche SE meldete ein Konzernergebnis nach Steuern von minus 923 Millionen Euro, im Wesentlichen Folge einer Wertberichtigung von rund 1,3 Milliarden Euro auf den Buchwert der VW-Beteiligung. Bei der planmäßigen Juni-Überprüfung wandte ISS STOXX daher die Kriterien Fast Entry und Fast Exit an.

Der Wechsel zieht eine Verschiebung durch die deutsche Indexfamilie nach sich. In den MDAX rücken neben Porsche SE auch Elmos Semiconductor, Siltronic und Süss Microtec auf, herausgenommen werden Redcare Pharmacy, Ströer und Jungheinrich. Im SDAX kommen unter anderen Vincorion und Jungheinrich neu hinzu, abgestiegen sind ProSiebenSat.1 Media und Borussia Dortmund. Im TecDAX ersetzen PVA TePla und Verbio die Telekom-Tochter 1&1 sowie den IT-Dienstleister Nagarro.

Für ETFs und Indexfonds, die den DAX nachbilden, bedeutet die Anpassung mechanische Käufe der Hochtief-Aktie und entsprechende Abgaben bei Porsche SE. Stichtag für die Umstellung der Portfolios ist der 19. Juni, der letzte Handelstag vor Inkrafttreten der neuen Zusammensetzung. Die nächste reguläre Indexüberprüfung hat ISS STOXX nach eigenen Angaben für den 3. September angesetzt.