Stunden vor dem WM-Eröffnungsspiel zwischen Mexiko und Südafrika hat Hongkongs Zoll am Donnerstag eine der größten Beschlagnahmungen gefälschter Sportartikel der vergangenen Jahre öffentlich gemacht. In der Operation „Clean Sheet“ stellten die Fahnder zwischen dem 26. Mai und dem 10. Juni rund 230.000 mutmaßlich gefälschte Trikots, Schuhe, Fußbälle und weitere Markenwaren sicher. Der geschätzte Marktwert: 156 Millionen Hongkong-Dollar, umgerechnet mehr als 17 Millionen Euro. Sechs Männer wurden festgenommen, alle kamen gegen Kaution frei.

Wie der Zoll in einer Pressekonferenz mitteilte, lief der Schwerpunkt der Razzia an zwei Grenzübergängen: der Hongkong-Zhuhai-Macau-Brücke und dem Shenzhen-Bay-Übergang zum chinesischen Festland. An der Brücke wurde ein 36-jähriger Lastwagenfahrer festgenommen, als Beamte in zwei einfahrenden Lkw verdächtige Ladung fanden. Fünf weitere Festnahmen, Männer im Alter von 17 bis 30 Jahren, gingen auf eine Cyber-Patrouille zurück, die mutmaßliche Plagiate auf einer Onlineplattform aufgespürt hatte. Beschlagnahmt wurden außerdem nachgemachte Louis-Vuitton-Handtaschen und Rolex-Uhren.

Etwa 30.000 der sichergestellten Stücke seien Spielertrikots gewesen, sagte Wayne Chung, leitender Inspektor der Hongkonger Zollbehörde. Sie wurden zu Preisen zwischen 1.100 und 1.300 Hongkong-Dollar pro Stück angeboten - deutlich teurer als gewöhnliche Fan-Versionen. Rund 80 Prozent der konfiszierten Ware sei für den Export auf den amerikanischen Doppelkontinent bestimmt gewesen, sagte Chung der Hong Kong Free Press. Die WM 2026 wird in den USA, Mexiko und Kanada ausgetragen.

Einige Trikots waren so gut gemacht, dass gewöhnliche Verbraucher sie nicht von Originalen unterscheiden können.
- Wayne Chung, Hongkonger Zollbehörde, Pressekonferenz am 11. Juni 2026

Die Behörde rechnet damit, dass der Schmuggel mit Fußballartikeln während des Turniers weiter zunehmen wird. „Da es sich um die bisher größte WM handelt, gehen wir davon aus, dass der Schmuggel WM-bezogener Produkte im Turnierverlauf durch die weltweit steigende Nachfrage aktiver wird“, sagte Chung. Auf gewerblichen Handel mit Plagiaten stehen in Hongkong bis zu 500.000 Hongkong-Dollar Geldstrafe und fünf Jahre Haft. Auch die deutsche Sportschau berichtete am Freitagvormittag im WM-Liveblog über die Razzia.

Schäden in Europa, Warnungen in Deutschland

Der Hongkonger Schlag steht stellvertretend für ein Problem, das auch deutsche Fans trifft. Die Verbraucherzentrale NRW warnt vor der WM ausdrücklich vor Fake-Shops im Netz. Als typisches Warnsignal nannte sie ein Trikot, das im offiziellen Adidas-Shop 100 Euro kostet, in einem Inserat aus Espelkamp aber für 45 Euro angeboten wurde. „Wer nicht abgezockt werden will, sollte deshalb genau hinschauen, bevor er bestellt“, so der Hinweis. Daneben warnen die Sicherheitsfirmen McAfee und Malwarebytes vor gefälschten FIFA-Mails, fingierten Gewinnbenachrichtigungen und Phishing-Reiseangeboten in die Gastgeberländer.

Wirtschaftlich ist der Schaden für die Branche erheblich. Das EU-Amt für geistiges Eigentum (EUIPO) beziffert die jährlichen Einbußen durch gefälschte Sportartikel in der Europäischen Union auf rund 850 Millionen Euro - etwa elf Prozent des Branchenumsatzes. Eine YouGov-Umfrage, die das Portal IT-Boltwise zitiert, kommt zu dem Schluss, dass etwa jeder fünfte Befragte in Deutschland schon einmal ein vermutlich unechtes Trikot gekauft hat, besonders viele in der Gruppe der 18- bis 24-Jährigen. Hinzu kommen Gesundheitsrisiken: In gefälschten Textilien wurden in der Vergangenheit Phthalate, Blei, Formaldehyd und PFAS nachgewiesen. Im gewerblichen Handel drohen auch in Deutschland Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren.