Lukáš Hrádecký hat sich nach Finnlands 0:4 gegen Deutschland in Mainz zum DFB-Fan erklärt. Der frühere Kapitän von Bayer Leverkusen kündigte an, die Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada vom Fernsehsessel aus zu verfolgen, in einem Trikot, das er sich schon im Kopf zurechtgelegt hat. „Bei der WM sitze ich mit Tah- oder Wirtz-Trikot vor dem Fernseher“, sagte der finnische Torwart dem Kicker.

Die Auswahl ist kein Zufall. Hrádecký gewann 2024 mit Bayer Leverkusen das Double, hinter sich Jonathan Tah in der Innenverteidigung und vor sich Florian Wirtz im Spielaufbau der ungeschlagenen Meistersaison. „Mit Jona habe ich schon getauscht und vielleicht bekomme ich noch das von Wirtz“, sagte er gegenüber Sport1. Beide stehen im WM-Kader von Bundestrainer Julian Nagelsmann.

Den emotionalen Anhang lieferte Hrádecký gleich mit. „Das muss ich wahrscheinlich, denn meine Lebenspartnerin kommt aus Deutschland“, sagte der 36-Jährige, und meinte das nur halb im Scherz. Seit 2021 ist er mit dem deutschen Model Esther Heesch verheiratet, seit 2024 ist das Paar Eltern.

Bis Juli wird Deutschland dabei bleiben. Der Knock-Out-Modus ist dann schwierig für jeden, da muss man auch Spielglück haben. Qualitativ gehört Deutschland zu den Top 5.
- Lukáš Hrádecký, gegenüber Sport1

Vom Klassenunterschied in Mainz zur Top-5-Einschätzung

Sportlich ordnete der Torwart die DFB-Elf vor dem Turnierstart am 11. Juni klar ein. Im ZDF sprach er von einem „Klassenunterschied“ und der „Offensivkraft“ der Deutschen, seine Finnen seien „in der zweiten Hälfte unter die Räder gekommen“. Den Test selbst kommentierte Hrádecký trocken: „Die haben sich gegen uns warmgeschossen.“ Im selben Atemzug platzierte er Deutschland in der erweiterten WM-Spitze und schränkte ein, im K.-o.-Modus müsse man „auch Spielglück haben“.

Hrádecký weiß, worüber er redet. Zehn Jahre stand er in der Bundesliga zwischen den Pfosten, drei bei Eintracht Frankfurt, sieben bei Bayer Leverkusen, die letzten Saisons als Mannschaftskapitän. 2024 holte er mit Xabi Alonsos Werkself den ersten Bundesliga-Titel der Klubgeschichte und stand mit Leverkusen im Finale der Europa League. Im Sommer 2025 wechselte der gebürtige Tschechoslowake, der mit einem Jahr nach Finnland kam, zum AS Monaco. Im Fürstentum beendete er die vergangene Ligue-1-Saison auf Platz sieben.

Was das Wort eines Insiders wiegt

Für Nagelsmanns Team ist das Lob eines internationalen Torwart-Kollegen kein Detail. Hrádecký hat sieben Jahre mit Tah trainiert und drei mit Wirtz, er kennt das DFB-Personal aus nächster Nähe. Dass er die Deutschen für titelfähig hält, ist die Einschätzung eines Kollegen, nicht eines Fans. Am 11. Juni greift die DFB-Elf in das WM-Turnier ein. Hrádecký sitzt dann vor dem Fernseher, im Tah- oder Wirtz-Trikot, je nachdem, welches er zuerst aus dem Schrank zieht.