Der Nahost-Konflikt reißt der globalen Luftfahrt einen Milliardenkrater in die Bilanz. Der Weltluftfahrtverband IATA hat seine Gewinnprognose für die Branche im laufenden Jahr fast halbiert: Statt der im Dezember erwarteten rund 41 Milliarden Dollar werde 2026 nur noch ein Nettoergebnis von 23 Milliarden Dollar erreicht, teilte der Verband am Sonntag zum Auftakt seiner 82. Jahrestagung in Rio de Janeiro mit. Wie das Handelsblatt berichtet, sieht IATA-Generaldirektor Willie Walsh die Branche „in der größten Krise seit der Pandemie“.

Walsh nannte auf der Pressekonferenz zwei Treiber: stark gestiegene Kerosinpreise infolge des Iran-Krieges und gesperrte Luftkorridore am Golf, die die Routenplanung der Airlines durcheinanderbringen.

Es gibt zwei Hauptfaktoren: der deutliche Anstieg der Kerosinpreise und die Störungen für die Fluggesellschaften in der Golfregion.
- Willie Walsh, IATA-Generaldirektor, Pressekonferenz Rio de Janeiro

Die Treibstoffrechnung der globalen Branche werde 2026 auf rund 350 Milliarden Dollar steigen, nach 252 Milliarden im Vorjahr, rechnet die IATA vor. Damit entfällt fast ein Drittel der operativen Kosten auf Kerosin. Pro Passagier halbiert sich der Gewinn auf etwa 4,50 Dollar. Walsh warnte, kleinere Carrier könnten unter der Kerosinlast in die Insolvenz rutschen.

Golf-Airlines am stärksten betroffen

Am härtesten treffe es die Fluggesellschaften aus der Golfregion. Die IATA rechnet damit, dass Emirates, Qatar Airways und Etihad Airways 2026 in die Verlustzone rutschen werden - eine Zäsur für die drei Konzerne, die seit Jahren zu den profitabelsten der Welt zählen. Wegen gesperrter iranischer und teils irakischer Lufträume müssen sie Umwege über Saudi-Arabien und Zentralasien fliegen, was Flugzeit und Verbrauch in die Höhe treibt.

Trotz der Gewinnwarnung erwartet die IATA, dass die Branchenumsätze 2026 um 9,4 Prozent auf rund 1,16 Billionen Dollar steigen - getragen von stabiler Reisenachfrage und höheren Ticketpreisen. Reiselust gibt es also, sie ist nur teurer geworden. Erschwerend kommt hinzu, dass Boeing und Airbus weiter mit Lieferverzögerungen kämpfen; die Airlines halten daher ältere, treibstoffintensivere Maschinen länger im Dienst.

Für Walsh ist es das letzte große Branchentreffen in seiner aktuellen Rolle: Wie der Verband im März bestätigte, übernimmt der Ire ab August die Geschäftsführung der indischen IndiGo, die zur größten Airline Asiens aufgestiegen ist. Den Ausblick für seine Nachfolgerin oder seinen Nachfolger umriss er in Rio so: „Die Geopolitik bleibt das größte Risiko der Branche.“