24 Stunden vor dem WM-Finale im MetLife Stadium hat sich Zlatan Ibrahimović festgelegt: Spanien schlägt Argentinien. Der ehemalige schwedische Nationalstürmer, seit Turnierbeginn als Experte im WM-Studio des US-Senders Fox Sports im Einsatz, sieht die Auswahl von Luis de la Fuente am Sonntag klar im Vorteil - und formulierte das in einer Direktheit, die im US-Fernsehen für Aufsehen sorgte.
„Spanien hat Frankreich sehr gut in den Griff bekommen. Ich glaube, sie können auch dieses Argentinien in den Griff bekommen“, sagte Ibrahimović in einer Fox-Sports-Analyse, die von Yahoo Sports dokumentiert wurde. Sein zentrales Argument: der spanische Ballbesitz. „Sie werden ihr Kombinationsspiel durchziehen. Argentinien ist keine Konter-Mannschaft. Ich glaube, Spanien wird das Spiel dominieren.“ Der Sarajevo Times zufolge legte er nach, Spanien werde „als Team spielen und das Spiel dominieren“.
Ich glaube, Spanien wird das Spiel dominieren.
Ibrahimović sitzt seit dem Auftakt am 11. Juni gemeinsam mit Weltmeister Thierry Henry und Moderatorin Rebecca Lowe im Fox-Studio in Los Angeles. Der Sender hatte den 43-Jährigen laut Awful Announcing bewusst als „Marquee Analyst“ verpflichtet - für die virale Reichweite, die seine Ansagen fast zwangsläufig erzeugen. Schon im Viertelfinale hatte er nach dem 1:2 Belgiens gegen eben jene Spanier den belgischen Trainer Rudi Garcia frontal angegriffen, wie GMX in seinem WM-Live-Blog dokumentierte. Über den ausgewechselten Torhüter Thibaut Courtois und dessen Ersatz Senne Lammens sagte er dort: „Lammens wird überschätzt. Es ist eine Schande.“
Warum Ibrahimović auf Ballbesitz setzt
Statistisch lässt sich seine Einschätzung untermauern. Spanien hat in bislang sechs Turnierspielen laut Wettbasis nur ein einziges Gegentor kassiert - ein Wert, den bei einer WM zuvor keine Mannschaft erreicht hatte. Die Buchmacher haben die Auswahl von de la Fuente entsprechend als klaren Favoriten notiert; auf einen spanischen Titelgewinn liegen die Quoten bei rund 1,58 bis 1,70. Auf der Gegenseite stehen ein Argentinien mit acht Turniertoren von Lionel Messi und vier Vorlagen, aber einer Elf, die im gesamten Turnier bislang selten das Tempo diktiert, sondern die Räume der Gegner ausgenutzt hat.
Ibrahimović und Messi haben eine gemeinsame Vergangenheit: Beide standen 2009/10 unter Pep Guardiola beim FC Barcelona zusammen auf dem Platz, ehe der Schwede den Klub in einem offenen Streit mit dem Trainer wieder verließ. Dass er nun ausgerechnet gegen die Mannschaft mit Messi eine Prognose gegen Argentinien öffentlich ausspricht, dürfte in Buenos Aires und im argentinischen Trainerstab um Lionel Scaloni registriert worden sein - Yahoo Sports schrieb, das Team werde die Analyse „zur Kenntnis genommen“ haben.
Angepfiffen wird das Finale in East Rutherford am Sonntag um 21 Uhr deutscher Zeit. Ob Ibrahimović mit seiner Ansage recht behält, entscheidet sich in den 90 Minuten - und, sollte es dazu kommen, in der Verlängerung. Sein Sender jedenfalls hat das Studio auf Sondersendung geschaltet.