Der 17. Mai ist der Internationale Tag gegen Queerfeindlichkeit, und in rund 50 deutschen Städten finden an diesem Sonntag Kundgebungen, Flaggenhissungen und Aktionen statt. Den Hintergrund liefert eine ernüchternde Zahl: Die queerfeindliche Hasskriminalität in Deutschland hat einen neuen Höchststand erreicht.

Ein neuer Höchststand

Die Polizei registrierte 2025 nach Angaben der Bundeszentrale für politische Bildung 2.048 Straftaten, die sich gegen die sexuelle Orientierung oder die geschlechtliche Identität von Menschen richteten - darunter 245 Gewalttaten und zwei Tötungsdelikte. Seit 2010 hat sich die Zahl dieser erfassten Taten nahezu verzehnfacht.

Die Beauftragte der Bundesregierung für die Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt, Sophie Koch (SPD), wertete den Tag als Alarmsignal: Queere Menschen erlebten wieder mehr Hass, mehr Hetze und mehr Gewalt. Zugleich verwies sie auf mehr als 200 Christopher-Street-Day-Veranstaltungen und Pride-Events im Land als Zeichen der Widerstandskraft der Community. Die schwarz-rote Bundesregierung beteiligte sich am Aktionstag mit dem Hissen von Regenbogenfahnen.

Queere Menschen erleben wieder mehr Hass, mehr Hetze und mehr Gewalt.
- Sophie Koch (SPD), Queerbeauftragte der Bundesregierung

Fortschritte und offene Lücken

Das Datum erinnert an den 17. Mai 1990, als die Weltgesundheitsorganisation Homosexualität aus ihrem Diagnosekatalog strich. Erstmals begangen wurde der Aktionstag 2005. International trägt er das Kürzel IDAHOBIT, abgeleitet von „International Day Against Homophobia, Biphobia, Interphobia and Transphobia“. In diesem Jahr steht er nach einer Veranstaltungsübersicht des Portals queer.de unter dem Motto „At the heart of democracy“.

Rechtlich hat sich in Deutschland einiges bewegt. Das Selbstbestimmungsgesetz, das den Wechsel des Geschlechtseintrags per Erklärung ohne Gutachten ermöglicht, ist seit November 2024 in Kraft; allein bis Ende 2024 änderten 10.589 Menschen ihren Eintrag, 2025 waren es nach den von der bpb zitierten Zahlen 15.779 Vorgänge. Die Ehe für alle gilt seit Juni 2017. Lücken bleiben: Bei weiblichen Paaren wird die Partnerin der leiblichen Mutter nicht automatisch als zweiter Elternteil anerkannt, sondern muss das Kind adoptieren; gleichgeschlechtliche Paare erhalten zudem keine Kassenzuschüsse für Kinderwunschbehandlungen.

Die Verbände rücken 2026 die digitale Dimension in den Vordergrund. Der Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg etwa stellte seine IDAHOBIT-Kundgebung am Wittenbergplatz unter den Schwerpunkt „digitale Gewalt“. Der Aktionstag, so der Tenor der Veranstalter, falle in ein politisch aufgeheiztes Klima.