Die IG Metall hat für diesen Montag zu einem bundesweiten Aktionstag in der Autoindustrie aufgerufen. An mehr als 200 Standorten sind rund 280 Aktionen geplant, an denen nach Gewerkschaftsangaben mehr als 100.000 Beschäftigte teilnehmen sollen. Betriebsversammlungen, aktive Mittagspausen, Sternmärsche und öffentliche Kundgebungen finden in allen Bundesländern statt, Schwerpunkte liegen in Wolfsburg, Zwickau, Stuttgart, Saarbrücken und im Ruhrgebiet.
Der Aktionstag steht unter dem Motto „Zukunft statt Kahlschlag - Zusammenhalt ist unsere stärkste Marke“. Die Gewerkschaft reagiert damit auf die Ankündigungen von Volkswagen, Bosch, ZF und weiteren Zulieferern, die zusammen bis zu 100.000 Stellen streichen oder ganze Werke zur Disposition stellen wollen. „Wir erleben derzeit einen beispiellosen Angriff auf die Beschäftigten der Automobilindustrie“, sagte IG-Metall-Vorsitzende Christiane Benner zum Auftakt der Aktionen. Diese Entwicklung müsse gestoppt werden.
Wir erleben derzeit einen beispiellosen Angriff auf die Beschäftigten der Automobilindustrie.
Die IG Metall fordert von den Konzernen Zusagen für Investitionen in Batterieproduktion, autonomes Fahren und moderne Fertigung an den deutschen Standorten sowie zusätzliche Fahrzeugmodelle für unterausgelastete Werke. Beschäftigte sollten vor Aktionären Vorrang haben, heißt es in einer Erklärung der Gewerkschaft. Die 35-Stunden-Woche sei für Benner „nicht verhandelbar“. Von der Bundesregierung erwartet die Gewerkschaft niedrigere Stromkosten, weniger Bürokratie, ausgeweitete Zölle auf chinesische Fahrzeuge und ein Hilfsprogramm für die Transformation der Zulieferer.
Druck auf Kanzler Merz und Koalition
Der Aktionstag trifft eine Bundesregierung, die schon vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern unter Druck stand. Kanzler Friedrich Merz (CDU) hatte Anfang September in Langenhagen vor dem Verlust industrieller Arbeitsplätze gewarnt und einen „Autogipfel“ angekündigt. Die IG Metall pocht auf konkrete Schritte, statt weiterer Gesprächsrunden. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit hat die Industrie in Deutschland allein 2025 rund 177.000 Stellen abgebaut, ein großer Teil davon im Fahrzeugbau. Erste Kundgebungen begannen am Vormittag; die zentrale Stuttgarter Veranstaltung mit Benner ist für die Mittagszeit vor der Landesmesse angesetzt.