Zum ersten Mal seit ihrer Gründung 1991 wurden die Ig-Nobelpreise am Donnerstagabend nicht in einem US-amerikanischen Hörsaal verliehen, sondern in Zürich. Im Kongresshaus am Zürichsee zeichnete die Redaktion der Fachzeitschrift „Annals of Improbable Research“ ab 19 Uhr zehn wissenschaftliche Arbeiten aus, die dem Motto der Auszeichnung folgen sollen: erst zum Lachen, dann zum Nachdenken bringen.

Der Ortswechsel ist politisch. Nach 35 Jahren mit Zeremonien am Massachusetts Institute of Technology und in Harvard verlegte das Team um Herausgeber Marc Abrahams die Verleihung in die Schweiz, weil sich unter der aktuellen US-Regierung nicht mehr zuverlässig garantieren lasse, dass alle internationalen Preisträgerinnen und Preisträger einreisen dürfen. Organisator Mirko Bischofberger erklärte gegenüber Schweizer Medien, mit der veränderten Einreisepolitik sei es „schwieriger geworden, sicherzustellen, dass alle Preisträger tatsächlich einreisen können“. Zürich habe sich wegen zentraler Lage, guter Flugverbindungen und langfristiger politischer Stabilität aufgedrängt, berichtet swissinfo.ch.

Neugier um ihrer selbst willen ist grundlegend dafür, wie Wissenschaft vorankommt.
- Matilda Brindle, University of Oxford, gegenüber CNN

Kakerlakenmilch, Nase, Pissoir

Inhaltlich blieb sich die Auszeichnung treu. Den Chemiepreis erhielt eine Studie, die nachwies, dass die Milchproteine einer bestimmten Kakerlakenart etwa dreimal so viel Energie liefern wie Kuhmilchproteine. Den Medizinpreis bekam eine Arbeit mit dem Titel „How to Blow the Nose - An Aerodynamic Study of the Nose Blowing“, die die Strömungsmechanik des Naseputzens vermessen hat. Der Physikpreis ging an Forschende, die spritzfreie Pissoirs entworfen haben; der Wirtschaftspreis für eine Untersuchung, wonach Menschen aus wohlhabenden Milieus eher aus einem für Kinder aufgestellten Süßigkeitenglas nehmen und häufiger unethisch handeln als Angehörige unterer Einkommensgruppen.

Der Technologie-Preis wurde an ein Team um Changhong Cao von der McGill University in Montreal für ein Verfahren vergeben, bei dem die Rüssel toter Mücken als Düsen für 3D-Drucker eingesetzt werden - die Autoren nennen es „Necroprinting“. „Niemand macht sich morgens auf, um aus einer Mücke eine 3D-Druckerdüse zu bauen“, zitierte CNN Cao. Den Biomechanikpreis erhielt Matilda Brindle vom Institut für Anthropologie der University of Oxford für eine Rekonstruktion der Evolutionsgeschichte des Kusses.

Nobelpreisträger als Zuschauer

Zur Verleihung reisten mehrere echte Nobelpreisträger an, unter ihnen der Medizin-Laureat Tim Hunt sowie die Wirtschaftsnobelpreisträger Esther Duflo und Abhijit Banerjee und der Physiker Michel Mayor. Die Prämie blieb wie in den Vorjahren symbolisch: Jede ausgezeichnete Gruppe erhielt einen simbabwischen 10-Billionen-Dollar-Schein, der wegen der Hyperinflation im Herkunftsland faktisch wertlos ist. Nach Tradition warfen Zuhörerinnen und Zuhörer Papierflieger auf die Bühne, Dankesreden waren auf 60 Sekunden begrenzt.

Für die Schweiz ist es eine Rückkehr in eine besondere Rolle. 2008 hatte das Land den Friedens-Ig-Nobelpreis erhalten - als Kollektiv gemeinsam mit der Eidgenössischen Ethikkommission für die Nichtmenschliche Biotechnologie, die die „Würde der Kreatur“ auch bei Pflanzen verfassungsrechtlich anerkannt hatte. Am kommenden Freitag treten die neuen Preisträgerinnen und Preisträger im Hörsaal der Universität Zürich zum wissenschaftlichen Nachgespräch an.