Bundeskanzler Friedrich Merz hat am Mittwochnachmittag die Internationale Luft- und Raumfahrtausstellung ILA auf dem Berlin ExpoCenter Airport in Schönefeld eröffnet. Vor rund 750 Ausstellern aus 37 Ländern stellte der CDU-Politiker die Branche in einen direkten sicherheitspolitischen Zusammenhang. „Unsere Luft- und Raumfahrtindustrie sichert nicht nur Innovation und Wirtschaftskraft. Sie sichert auch unsere Souveränität und unsere Verteidigung“, sagte Merz auf dem Rollfeld der Messe, wie ZDFheute berichtete.
Die Messe läuft bis Sonntag, die ersten drei Tage sind Fachbesuchern vorbehalten. Bereits am Dienstag waren Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) und Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) durch die Hallen gegangen. Am Wochenende öffnet das Gelände dann für Privatbesucher; die Veranstalter peilen über 100.000 Eintritte an, nach rund 95.000 vor zwei Jahren.
Ein thematischer Schwerpunkt liegt 2026 auf Drohnen. Im Drone Pavilion zeigen Hersteller ihre Systeme nicht statisch, sondern im Betrieb, darunter die nur 25,5 Zentimeter große Aufklärungsdrohne Black Hornet 4, die bei der Bundeswehr im Einsatz ist, sowie die deutlich größere Mehrzweckplattform Linza 3.0 des deutsch-ukrainischen Joint Ventures Quantum Frontline Industries. Deren Hersteller wirbt damit, Erfahrungen aus dem Ukraine-Krieg unmittelbar in die Weiterentwicklung der Geräte fließen zu lassen. Eine zehn mal zwanzig Meter große „Drone Cage“ dient als Testarena für konkurrierende Drohnenschwärme.
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FCAS-Nachfolger und Entlastung für Airlines
Politisch hängt über der ILA das gescheiterte deutsch-französische Kampfjet-Projekt FCAS. Merz versuchte, daraus ein Bekenntnis zur europäischen Linie zu formen. „Wir behalten den Kern von FCAS als europäisches System der Systeme bei“, sagte der Kanzler laut Leadersnet. „So entstehen neue Chancen für moderne Kampfflugzeuge, die unsere gemeinsame Sicherheit wirklich stärken.“ Airbus hatte zuvor die Initiative für eine Allianz „Team Gen 6“ angekündigt, die die Lücke ohne Paris füllen soll.
Neben der Verteidigungslinie kündigte Merz ein Entlastungspaket für die zivile Luftfahrt an: Die jüngste Erhöhung der Luftverkehrsteuer werde zurückgenommen, die Flugsicherungsgebühren für Regionalflughäfen würden gesenkt. Die Bundesregierung beziffert den Effekt auf rund 500 Millionen Euro - eine Ansage an Lufthansa und kleinere Carrier, die seit Monaten klagen, deutsche Standorte würden im europäischen Wettbewerb unattraktiv.
Begleitet wurde Merz unter anderem von EU-Verteidigungskommissar Andrius Kubilius, Forschungsministerin Dorothee Bär und Verkehrsminister Patrick Schnieder. Inhaltlich gemeinsam ist der Linie: Drohnen, Weltraum und Verteidigung werden auf der ILA 2026 nicht mehr als Nischenthemen behandelt, sondern als Hebel deutscher Industriepolitik. Zum Vergleich: 2024 kamen 600 Aussteller aus 31 Nationen, jetzt sind es 750 aus 37 - ein Plus von einem Viertel innerhalb von zwei Jahren.
Wie weit das politische Versprechen trägt, wird sich erst nach der Messe zeigen. Der Bundestag muss die angekündigten Entlastungen verabschieden, und FCAS-Nachfolgegespräche stehen erst am Anfang. Die Branche feiert die Aufmerksamkeit dennoch: Es ist die erste ILA, bei der ein Kanzler die Eröffnungsrede selbst hält, statt sie an die Wirtschaftsminister zu delegieren.