Die Zahl der Toten nach dem schweren Erdbeben vor der indonesischen Insel Flores ist am Sonntag auf mindestens 47 gestiegen. Die nationale Katastrophenbehörde BNPB unter Leitung von Suharyanto erhöhte die Bilanz gegenüber den Vortagsangaben um neun; mehr als 50 Menschen wurden verletzt. Rettungskräfte suchten in der Hafenstadt Maumere weiter nach Verschütteten und versuchten, per Fähre in die abgeschnittene Region Nagekeo vorzudringen.

Wie wir am Samstag berichteten, hatte das Beben der Stärke 7,7 die Provinz Ost-Nusa Tenggara am frühen Morgen erschüttert. Damals sprach BNPB noch von 38 Toten. Das Epizentrum lag rund 70 Kilometer nordwestlich der Stadt Ende, die Herdtiefe bei etwa zehn Kilometern. Die zunächst ausgegebene Tsunami-Warnung wurde nach drei Stunden aufgehoben.

Präsident Prabowo Subianto ordnete am Wochenende den Versand von 50.000 Hilfspaketen mit rund 275 Tonnen Material an, wie die Nachrichtenagentur Antara meldet. Das indonesische Militär TNI mobilisierte 1.267 Soldaten für Bergung und Räumung. Die Regierung stellte zusätzlich 4,5 Milliarden Rupiah an Soforthilfe bereit.

Nagekeo bleibt schwer erreichbar

Am schwersten getroffen ist weiterhin der Regierungsbezirk Nagekeo südlich des Epizentrums. Etwa 2.000 Menschen aus dem Distrikt harren in Notunterkünften aus. Erdrutsche blockieren mehrere Zufahrtsstraßen, weshalb Rettungsteams Nagekeo nun über den Seeweg per Fähre anfahren. Drei Helikopter und ein Rettungsschiff kamen zum Einsatz, wie der Sender Al Jazeera unter Berufung auf die BNPB berichtete.

Nach aktueller Zählung der Behörde wurden knapp 160 Häuser vollständig zerstört und rund 200 weitere beschädigt. Betroffen sind zudem mehrere Schul- und Gesundheitseinrichtungen. Der Gouverneur von Ost-Nusa Tenggara, Emanuel Melkiades Laka Lena, gab an, dass mindestens fünf Menschen im Schlaf ums Leben kamen, als Gebäude über ihnen zusammenbrachen.

Rund 230 Nachbeben und ein Beben auf Sumatra

Seit dem Hauptbeben registrierten Seismologen mehr als 230 Nachbeben, das stärkste mit einer Magnitude von 6,2. Nur wenige Stunden nach der Katastrophe erschütterte zudem ein separates Beben der Stärke 6,8 die Provinz Nord-Sumatra in rund 168 Kilometern Tiefe, das das Deutsche GeoForschungsZentrum Potsdam registrierte. Eine Tsunami-Warnung wurde nicht ausgegeben; Meldungen über größere Schäden lagen zunächst nicht vor.

Die Fluggesellschaften nahmen den Betrieb zwischen Bali und Ost-Nusa Tenggara nach kurzer Unterbrechung wieder auf, der Staatskonzern PLN begann mit der Wiederherstellung der Stromversorgung. Der Ölkonzern Pertamina erklärte laut Antara, die Treibstoffversorgung sei gesichert. Die EU bot laut Al Jazeera Unterstützung durch ihren Erdbeobachtungsdienst Copernicus an, um die betroffenen Regionen aus dem All zu kartieren. Die BNPB rechnet damit, dass die Opferzahl weiter steigt, sobald abgeschnittene Dörfer erreicht werden.