Die deutsche Industrie hat binnen eines Jahres 177.000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze verloren. Das teilte die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Dienstag in Nürnberg mit, Handelsblatt, WirtschaftsWoche und Tagesspiegel griffen die dpa-Meldung noch am selben Abend auf. Der Rückgang bezieht sich auf den Zeitraum bis Dezember 2025. Damit sind im verarbeitenden Gewerbe zuletzt noch rund 6,5 Millionen Menschen beschäftigt - etwa jeder fünfte sozialversicherungspflichtige Arbeitsplatz in Deutschland.
Den größten Anteil trägt die Autoindustrie mit ihren Zulieferern. Dort fielen laut BA im vergangenen Jahr 52.000 Stellen weg. Der Maschinenbau verlor 28.000 Arbeitsplätze, die übrigen Metallbranchen 24.000. In der Summe konnten andere Wirtschaftszweige den Abbau nicht ausgleichen: Die Gesamtbeschäftigung sank um 108.000 Stellen.
Aktuell verschwinden monatlich rund 15.000 Arbeitsplätze in der Industrie.
EY sieht das zweite Krisenjahr in Folge
Die BA-Zahlen fügen sich in einen längeren Abwärtstrend, den das Beratungshaus EY im Februar mit seinem Industriebarometer für das Schlussquartal 2025 skizziert hatte: Seit 2019 hat die Industrie demnach rund 266.200 Stellen verloren, allein die Autoindustrie und ihre Zulieferer 111.000. „Die deutsche Industrie steckt in einer tiefen Krise - 2025 markiert das zweite Jahr in Folge mit Umsatzrückgang, eine Trendwende ist nicht erkennbar“, erklärte EY-Deutschlandchef Jan Brorhilker bei der Vorstellung der Studie. Als Treiber nennt EY die schwache Inlandsnachfrage, den stockenden Export, hohe Produktionskosten und den langsamen Hochlauf der E-Mobilität.
Parallel schlagen die Firmenpleiten auf den Arbeitsmarkt durch. Zwischen Januar und November 2025 zählte das Statistische Bundesamt 1.483 Insolvenzen im verarbeitenden Gewerbe, der höchste Stand seit 2013 und ein Plus von elf Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Konkret angekündigt sind unter anderem der Abbau von 35.000 Stellen bei Volkswagen bis 2030, bis zu 13.000 zusätzliche Kürzungen bei Bosch sowie 11.000 Stellen bei ThyssenKrupp Steel.
Bertelsmann-Studie: Zehnjahrestief bei Industriebeschäftigung
Auch die Bertelsmann-Stiftung sieht die Beschäftigung im verarbeitenden Gewerbe auf einem Zehnjahrestief. Chemie und Pharma legten seit 2019 leicht zu (+3 Prozent), Elektro ebenfalls (+2 Prozent), die Textilbranche brach dagegen um 16 Prozent ein. BA-Chefin Nahles verband die aktuelle Zwischenbilanz mit dem Hinweis, der Abbau habe sich zuletzt nicht verlangsamt: Monat für Monat gingen im Schnitt rund 15.000 Industriejobs verloren, so Nahles gegenüber dem Handelsblatt. Statements aus dem Bundeswirtschaftsministerium oder vom BDI lagen zur Meldung am Dienstagabend zunächst nicht vor.