Die Asian Football Confederation (AFC) hat sich am Freitag der Blockade gegen den Investorenplan von FIFA-Präsident Gianni Infantino angeschlossen. Der Verband teilte in Kuala Lumpur mit, er habe „tiefe Besorgnis zum Vorhaben der FIFA sowie über die Entscheidungsprozesse“. Damit stehen nach UEFA und CONCACAF drei Konföderationen mit zusammen 136 von 211 Stimmen gegen Infantinos Vorhaben „Fifa Forward Enterprise“ (FFE). Eine einfache Mehrheit für den Weltverbandschef ist damit rechnerisch nicht mehr zu erreichen.
Bekannt geworden war das FFE-Projekt am 28. Juli. Die FIFA will unter dem Dach einer neuen Handelsgesellschaft die kommerziellen Rechte an ihren Turnieren bündeln und rund 20 Prozent der Anteile an private Investoren verkaufen. Als Bewertungsrahmen kursiert die Zahl von 20 Milliarden Dollar. Als Kandidat für die Führung der Investorengruppe hat sich laut Al Jazeera das US-Venture-Capital-Haus Thrive Eternal um Joshua Kushner in Stellung gebracht - Bruder von Jared Kushner, dem Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump. Als Anreiz stellt die FIFA den Verbänden ab 2027 höhere jährliche Zahlungen in Aussicht: fünf statt bisher zwei Millionen Dollar, bis 2038 rechnerisch bis zu 24 Millionen. Wer bis zum 19. September zustimmt, soll zusätzlich einen Bonus von 20 Millionen Dollar erhalten.
Die WM darf nicht als Anlageprodukt behandelt werden.
Den Ausschlag für das aktuelle Kräfteverhältnis gab die UEFA-Krisensitzung am Donnerstagnachmittag. Alle 55 Nationalverbände stimmten einstimmig dafür, keine europäische Nationalmannschaft mehr an FIFA-Wettbewerben teilnehmen zu lassen, „solange diese Vorschläge weiter bestehen“. „Die WM darf nicht als Anlageprodukt behandelt werden. Sie ist eine der größten und traditionsreichsten Sportveranstaltungen im Fußball“, hieß es aus Nyon. Der Vorschlag sei „im Geheimen ausgearbeitet“ worden, das sei „unverantwortlich und nicht zu rechtfertigen“. DFB-Präsident Bernd Neuendorf, seit dem Streit um den Fall Balogun im Juli einer der lautesten Kritiker Infantinos, bezeichnete den Investorendeal gegenüber ZDFheute als „fatales Zeichen“ - der Fußball „lebt von der Akzeptanz der Gesellschaft“. Einen Boykott nannte er „durchaus eine Option“.
Am Freitagvormittag folgte die Nordamerika-Karibik-Konföderation CONCACAF mit einer eigenen Ablehnung, am Nachmittag zog die AFC nach. Der asiatische Verband erklärte, es gebe „kein ausreichendes Konsens und keine nötige Einigkeit für eine erfolgreiche Umsetzung“. Damit ist die Front geschlossen: 55 UEFA-Verbände, 35 CONCACAF-Mitglieder und 46 AFC-Länder stehen zusammen für 136 der insgesamt 211 FIFA-Stimmen. Für Infantinos Plan wäre eine einfache Mehrheit von 106 Stimmen nötig - erreichen ließe sie sich theoretisch nur, wenn CAF (54 Verbände) und CONMEBOL (10) komplett hinter der FIFA-Spitze bleiben. Als sicher gilt bislang nur die Zustimmung des afrikanischen Verbandes CAF.
Kushner-Nähe wird zum Problem
Politisch belastet Infantino, wer den Deal wirtschaftlich flankieren würde. Die Time berichtete am 29. Juli unter Berufung auf mehrere Personen aus dem Vorbereitungskreis, Thrive Eternal führe die Verhandlungen. Carlos Cordeiro, ehemaliger US-Verbandschef und bis vor Kurzem Infantino-Berater in dieser Sache, hat sein Mandat inzwischen niedergelegt und dem SRF gesagt, das FFE-Projekt sei „ein schlechtes Geschäft für die FIFA-Mitgliedsverbände, ein schlechtes Geschäft für den Fußball“. Bayern-Sportvorstand Max Eberl formulierte kürzer: „Ich finde es beschämend.“ In Berlin sitzt DFB-Präsident Neuendorf zusätzlich unter Druck, weil er als FIFA-Ratsmitglied vergütet wird - für seine Kritik erwarten Beobachter Konsequenzen im Verband.
Erste Bewährungsprobe im September
Der FIFA-Präsident selbst versuchte am Freitag zu deeskalieren. Der Plan sei „lediglich ein Angebot“ und „Teil eines demokratischen Beratungsprozesses“, teilte die FIFA mit. Zugleich beharrt der Weltverband: „Niemand verkauft den Fußball. Das würde die FIFA niemals in Betracht ziehen.“ Erstes von der Boykott-Drohung betroffenes Turnier wäre die U-20-Frauen-WM in Polen (5. bis 27. September), unmittelbar vor Infantinos eigener Zustimmungsfrist am 19. September. Sollte tatsächlich eine europäische Nationalmannschaft in Warschau fehlen, wäre die Machtprobe eskaliert - und Infantinos Spielraum bis zum FIFA-Kongress 2027, bei dem er erneut kandidieren will, weiter geschrumpft.