Drei Tage nach dem WM-Auftakt sorgt FIFA-Präsident Gianni Infantino für die erste echte diplomatische Verstimmung des Turniers - nicht durch ein Funktionärsdekret, sondern durch einen Witz. In einem Interview des brasilianischen Senders CazéTV antwortete der 55-Jährige auf die Frage, wann Italien wieder bei einer Weltmeisterschaft dabei sein werde, grinsend: „Vielleicht qualifiziert sich Italien bei einer WM mit 64 Teams - oder wir gehen sogar hoch auf 228 Teams.“ Die FIFA hat 211 Mitgliedsverbände.

Wie ZDFheute und Handelsblatt berichten, zog der Spott in Rom postwendend eine offizielle Reaktion nach sich. Italiens Sportminister Andrea Abodi nannte die Bemerkung gegenüber der Nachrichtenagentur Ansa unpassend und kündigte ein direktes Telefonat an. „Ich bin an seinen direkten Gedanken interessiert“, sagte Abodi - das Telefonat scheine ihm angesichts der Distanz zwischen Italien und Mexiko der geeignete Weg.

Eine unglückliche Äußerung, ein Stilbruch, der die italienische Sportgemeinschaft verletzt.
- Italienischer Fußballverband FIGC

Der italienische Verband FIGC, dem Infantino in jungen Jahren als Funktionär verbunden war, sprach laut Bericht von 20 Minuten von einem „Stilbruch“. Der Hintergrund macht den Witz besonders empfindlich: Italien hat sich nun zum dritten Mal in Serie nicht für eine Weltmeisterschaft qualifiziert. Nach den schmerzhaften Aus 2018 in Schweden und 2022 in Nordmazedonien war im März 2026 das Play-off-Finale gegen die Slowakei verloren gegangen. Der viermalige Weltmeister fehlt damit bei einem Turnier, das in seinem eigenen Aufgebot ohnehin geschrumpft wäre: Bei 48 Teams hätte Italien weiter qualifiziert sein müssen.

Hintergrund: Aufstockung als Reizthema

Infantinos Bemerkung knüpft an eine umstrittene Idee an, die seit Wochen in FIFA-Kreisen kursiert. Erst im Mai hatte der Verband bestätigt, dass eine Aufstockung auf 64 Mannschaften für 2030 geprüft wird, um Südamerika ein Centenario-Format zu bieten. Wie wir am 4. Juni berichteten, hatten Sport Rights Alliance und mehrere europäische Verbände vor einem „Klima der Angst“ um die Gegenstimmen gewarnt. Italiens Verbandschef Gabriele Gravina gehörte zu den entschiedenen Kritikern; Infantinos Scherz aus Mexiko-Stadt landet damit mitten in einem politischen Streit, den Italien gerade verloren hat.

Aus Sicht der FIFA-Zentrale ist die Episode unangenehm, weil sie das ohnehin angespannte Verhältnis zur UEFA belastet. Verbandspräsident Aleksander Čeferin hatte erst vor zwei Wochen gegen die 64er-Aufstockung Stellung bezogen. Ein offizielles Statement der FIFA zur Aussage Infantinos lag am Samstagvormittag nicht vor.