Zwei Tage nach dem FIFA-Rückzug vom umstrittenen Investorenprojekt FFE verschärft sich der Druck auf Präsident Gianni Infantino weiter. Wie wir am Freitag berichteten, hatte Infantino den Verkauf einer WM-Beteiligung an das von Trump-Schwiegersohn Jared Kushner geführte Konsortium nach 72 Stunden gestoppt. Nun fordern immer mehr Verbände personelle Konsequenzen. Am Sonntag legte Claudius Schafer, Vorsitzender der European Leagues, gegenüber Al Jazeera nach: „Wenn man sieht, wie das Ganze abgelaufen ist und die Schlüsselgremien der FIFA nicht eingebunden waren, dann gibt es in jedem Unternehmen und jedem Verband eigentlich nur eine Konsequenz.“
Die European Leagues vertreten 53 nationale Profiligen im Männer- und Frauenfussball. Am Samstag hatten bereits die UEFA und der Nord- und Mittelamerikaverband CONCACAF Infantino öffentlich das Vertrauen entzogen. In einer UEFA-Erklärung heißt es nach Angaben der Badischen Zeitung, die derzeitige FIFA-Führung habe „nicht nur das Vertrauen der UEFA, sondern auch vieler weiterer Mitglieder der Fußballfamilie verloren“. Der asiatische Verband AFC verlangte eine „dringende Überprüfung“ der FIFA-Entscheidungsprozesse.
Es gibt in jedem Unternehmen und jedem Verband eigentlich nur eine Konsequenz.
Fünf Namen als Herausforderer
In der internationalen Presse werden inzwischen konkrete Namen für die Nachfolge gehandelt. t-online listet am Sonntag fünf Kandidaten: UEFA-Präsident Aleksander Čeferin, ECA-Chef und PSG-Präsident Nasser Al-Khelaifi, FIFA-Generalsekretär Mattias Grafström, CONCACAF-Präsident Victor Montagliani und der Präsident des Asiatischen Verbands, Scheich Salman bin Ibrahim al-Chalifa. Blick und die Schweizer Watson berichten übereinstimmend, dass sich Čeferin binnen 48 Stunden zur Speerspitze der europäischen Opposition aufgeschwungen hat. Der 58-jährige Slowene führt die UEFA nur noch bis 2027 und tritt nicht zur Wiederwahl an - für einen Wechsel an die FIFA-Spitze wäre der Zeitpunkt terminlich passend.
Kandidatenmeldung bis November
Infantino selbst will sich beim 77. FIFA-Kongress im März 2027 in Rabat für eine vierte und laut Statut letzte Amtszeit wählen lassen. Bewerbungen für die Präsidentschaft können noch bis zum 18. November eingereicht werden - für ein Misstrauensvotum gegen den amtierenden Präsidenten wären nach Yahoo-Sports-Recherche 43 der 211 Mitgliedsverbände notwendig. Al-Khelaifi hat gegenüber Blick eine Kandidatur bislang zurückgewiesen; Grafström gilt als enger Vertrauter Infantinos, dem Beobachter aber ebenfalls Ambitionen zutrauen. FIFA-Interimspräsidentschaft, außerordentlicher Kongress, Rücktritt - alle drei Szenarien werden derzeit diskutiert. Der Weltverband selbst hat sich zu den Rücktrittsforderungen bisher nicht öffentlich geäußert.