An diesem Donnerstag nimmt Infineon in Dresden die neue Smart Power Fab in Betrieb - drei Monate früher als ursprünglich geplant. Zur Zeremonie an der Königsbrücker Landstraße werden Bundeskanzler Friedrich Merz und Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer erwartet, wie der Konzern und mehrere Wirtschaftsmedien übereinstimmend berichten. Für den Münchner Halbleiterhersteller ist es das größte Einzelinvestment der Firmengeschichte.
Rund fünf Milliarden Euro fließen in das Werk, das intern als „Fab 4“ geführt wird. Etwa eine Milliarde davon steuern Bund und Freistaat als Förderung bei, der Rest kommt aus der Konzernkasse. Rund 1.000 zusätzliche Stellen sollen entstehen; damit nähert sich der Standort Dresden der Marke von 5.000 Beschäftigten aus etwa 50 Nationen, wie das Portal Wirtschaft in Sachsen berichtet.
„Mit unserer Smart Power Fab in Dresden kommen wir sehr gut voran. Der Bau liegt vor Plan, wir werden die Fabrik bereits Anfang Juli eröffnen“, hatte Vorstandschef Jochen Hanebeck bereits vor Wochen angekündigt. Die neue Anlage produziert Leistungshalbleiter auf 300-Millimeter-Wafern - also jene Chips, die den Stromfluss in Elektroautos, Windrädern und den Netzteilen von KI-Servern steuern.
Wettlauf mit TSMC in Klotzsche
Für Dresden setzt sich damit ein Trend fort, der die Region zum Kern europäischer Chipfertigung macht. Nur wenige Kilometer entfernt errichten Bosch, Infineon, NXP und der taiwanesische Marktführer TSMC gemeinsam die ESMC-Fabrik, die 2027 anlaufen soll. Beim Spatenstich für die Smart Power Fab im Mai 2023 waren der damalige Bundeskanzler Olaf Scholz und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen persönlich erschienen. Dass jetzt Merz die Einweihung übernimmt, wertet die Ansiedlung erneut als politisches Prestigeprojekt.
Infineon selbst richtet das Werk vor allem auf den KI-Boom aus. In einer Partnerschaft mit dem US-Konzern Nvidia liefert das Unternehmen Stromversorgungslösungen für dessen MGX-Serverplattform. Im laufenden Geschäftsjahr peilt der Konzern rund 1,5 Milliarden Euro Umsatz aus dem Segment an, 2027 sollen es 2,5 Milliarden Euro werden, meldet der Branchendienst Kapitalmarktexperten. Analysten der WirtschaftsWoche nennen Infineon dieser Tage einen „stillen KI-Gewinner“; der Aktienkurs hat sich seit Jahresanfang mehr als verdoppelt.
Technisch positioniert Infineon das Werk als Referenzprojekt. Es läuft nach eigenen Angaben ausschließlich mit erneuerbarer Energie, verzichtet vollständig auf Erdgas und soll 45 Prozent des Prozesswassers im Kreislauf führen. Der Reinraum lässt maximal ein Partikel über 0,5 Mikrometer je zehn Liter Luft zu, ein Deckenschienensystem transportiert die Wafer mit 3,5 Metern pro Sekunde durch die Anlage, wie das Portal it-boltwise ausführt.
Ob die Rechnung aufgeht, hängt weniger an der Technik als an den geopolitischen Rahmenbedingungen - am US-chinesischen Techkonflikt und daran, wie konsequent Europa seine Halbleiterförderung fortsetzt. Der EU Chips Act, unter dem auch die Dresdner Ansiedlungen laufen, steht 2027 zur Überprüfung an.