Die Verbraucherpreise in Deutschland sind im Mai um 2,6 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen. Das gab das Statistische Bundesamt am Montag in seiner vorläufigen Schätzung in Wiesbaden bekannt. Im April hatte die Inflationsrate noch bei 2,9 Prozent gelegen, gegenüber dem Vormonat fielen die Preise im Mai um 0,2 Prozent.
Den stärksten dämpfenden Effekt lieferten erneut die Energiepreise. Sie lagen zwar weiterhin 6,6 Prozent über dem Vorjahresniveau, der Anstieg fiel jedoch deutlich geringer aus als im April mit 10,1 Prozent. Auch bei Lebensmitteln verlangsamte sich die Teuerung: Im Mai betrug der Vorjahresvergleich nur noch 0,4 Prozent nach 1,2 Prozent einen Monat zuvor. Dienstleistungen verteuerten sich dagegen weiter um 3,1 Prozent. Die Kerninflation ohne Energie und Nahrungsmittel lag bei 2,5 Prozent und damit nahe am EZB-Zielwert von zwei Prozent, aber höher als die ausgewiesene Gesamtrate.
Zinsentscheid in elf Tagen
Für die Europäische Zentralbank fällt der Wert in eine sensible Phase. Am 11. Juni entscheidet der EZB-Rat erneut über die Leitzinsen. Die Mehrheit der Marktteilnehmer rechnet nach Angaben des Branchendienstes FTD mit einer Anhebung um 25 Basispunkte auf 2,25 Prozent. EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel warnte zuletzt vor einer voreiligen Lockerung.
Selbst, wenn der Krieg heute enden würde, ist der Energieinfrastruktur und den globalen Lieferketten bereits erheblicher Schaden zugefügt worden.
Schnabels Hinweis bezieht sich auf den Konflikt um den Iran und die zuletzt anhaltenden Spannungen am Energiemarkt, die die Preise trotz des Mai-Rückgangs strukturell nach oben drücken. Der harmonisierte Verbraucherpreisindex, den die EZB für ihre Zielmarke heranzieht, kletterte um 2,7 Prozent. Die endgültigen Zahlen für Mai veröffentlicht Destatis nach eigenen Angaben am 12. Juni - einen Tag nach der Zinsentscheidung in Frankfurt.
Politisch hatten Union und SPD in den vergangenen Wochen mehrfach mit einer Verlängerung des Tankrabatts argumentiert, um die Energiepreise weiter zu drücken. Die nun veröffentlichten Daten zeigen, dass sich der Inflationsdruck an dieser Stelle ohne politisches Eingreifen bereits abschwächt. Hartnäckig hoch bleibt die Teuerung dagegen bei Dienstleistungen - ein Bereich, der eher von Lohnabschlüssen als von Energiekosten getrieben wird.