Foxborough/Oslo. Wenn Norwegen am Mittwochmorgen um 00:00 Uhr MESZ im Gillette Stadium nahe Boston gegen den Irak antritt, endet eine 28 Jahre lange Wartezeit. Es ist die erste WM-Endrunde der Skandinavier seit Frankreich 1998 - und die erste WM überhaupt für Erling Haaland, der die Mannschaft als Torjäger ins Turnier führt. Der Auftakt in Gruppe I mit Frankreich und Senegal beginnt mit einem Duell, das auf dem Papier eindeutig ist, vor Ort aber alles andere als ein Selbstläufer.

Norwegen hat sich beeindruckend qualifiziert: acht Spiele, acht Siege, 37 Tore, nur fünf Gegentreffer. Dazwischen ein 11:1 gegen Moldau und ein 4:1 in Italien. „Ich halte ihn für den besten Torjäger der Welt“, sagte Nationaltrainer Ståle Solbakken gegenüber dem kicker über Haaland, der 55 Länderspieltore in 50 Einsätzen vorweisen kann. Solbakken hob hervor, dass sein Stürmer körperlich in Topform und von Trainingseinheit zu Trainingseinheit besser geworden sei.

Ich halte ihn für den besten Torjäger der Welt.
- Ståle Solbakken, Nationaltrainer Norwegen, über Erling Haaland (kicker)

Für Haaland ist die Premiere auch eine Familiengeschichte. Sein Vater Alf-Inge bestritt 1994 die bislang einzige WM eines Spielers namens Haaland - und schied mit Norwegen in der Vorrunde aus. Der 25-jährige Sohn hat in Interviews zu Protokoll gegeben, dass er die Gruppenphase überstehen will. Solbakken warnte vor zu viel Übermut: Wenn der Plan B fehle, könnten die norwegischen Offensivwellen schnell zu eindimensional werden.

Irak unter Graham Arnold: 40 Jahre nach der ersten Endrunde

Auf der anderen Seite steht ein Team, das selbst eine kleine Sensation verkörpert. Der Irak qualifizierte sich erstmals seit 1986 wieder für eine WM-Endrunde - 40 Jahre Pause. In der finalen Quali entschied Stürmer Aymen Hussein das Playoff gegen Bolivien. Trainer ist seit 2024 der Australier Graham Arnold, der in der Vorbereitung mit einem 1:1 gegen Spanien und einer knappen 0:2-Niederlage gegen Venezuela respektable Ergebnisse holte.

Im irakischen Kader stehen Torhüter Jalal Hassan und der erst 22-jährige Marko Farji, der in Norwegen geboren wurde und kürzlich zu Venezia wechselte. Mit nur zehn Toren in neun Qualifikationsspielen ist die irakische Offensive defensiv ausgerichtet - Arnolds Plan dürfte sein, das Spiel kompakt zu halten und auf Konter gegen einen hoch verteidigenden Gegner zu lauern.

Für Solbakken ist das Auftaktspiel der heikelste Termin im Turnier: ein klarer Favorit, der seine Form aus der Qualifikation auch ohne ernsthaften Gegner ins erste WM-Pflichtspiel seit Pia, Hagi, Solskjær übertragen muss. In der Gruppe folgen Frankreich und Senegal, beide am Dienstagabend in Group I gestartet. Ein Auftaktsieg wäre für Haaland und Kapitän Martin Ødegaard die Eintrittskarte für eine ernsthafte Mission Achtelfinale - alles andere würde die norwegische Generation um Nusa, Sørloth und Strand Larsen sofort unter Druck setzen.