Vier staatliche Banken im Iran sind am Sonntag Ziel eines koordinierten Cyberangriffs geworden. Bank Melli, Bank Tejarat, Bank Saderat und die Export Development Bank meldeten Betriebsstörungen ihrer geteilten Kommunikationsinfrastruktur, wie der iranische Bankenkoordinierungsrat in einer Erklärung bestätigte. Online-Zahlungen fielen in Teheran zeitweise komplett aus; Supermärkte, Restaurants und Tankstellen notierten Beträge auf Papier, um sie später zu begleichen, wie der Tagesspiegel-Liveblog meldete.
Zu dem Angriff bekannte sich auf Telegram die bislang wenig bekannte Hackergruppe „Black Wolves“. Die Vorab-Ankündigung am Samstag fiel zeitlich mit der finalen Verhandlungsphase zwischen Washington und Teheran zusammen. Eine direkte Verbindung zur 2025 aktiven, israelnahen Gruppe „Predatory Sparrow“ stellte „Black Wolves“ nicht her. Der Bankenkoordinierungsrat erklärte, technische Teams hätten den Vorfall „schnell erkannt“; auf Kundendaten sei kein unbefugter Zugriff erfolgt, der Online-Zahlungsverkehr sei am Sonntagnachmittag wieder normalisiert.
Ein stiller Krieg entfaltet sich, und Iran steht unter Cyberangriff.
Genfer Unterzeichnung verstreicht
Der Angriff fiel mit dem Tag zusammen, an dem US-Präsident Donald Trump nach eigenen Worten das US-iranische Memorandum unterzeichnet sehen wollte. Trump hatte am Freitag auf Truth Social erklärt, die Vereinbarung werde am Sonntag fixiert, die Straße von Hormus solle „sofort danach“ wieder geöffnet werden. Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif, der die Vermittlerrolle für sich reklamiert, sprach am Samstag von einem „endgültigen, von allen Seiten abgestimmten Text“ und kündigte eine elektronische Signaturzeremonie für Sonntag an. Beides ist am Sonntagabend nicht eingetreten.
Aus Teheran kam Widerspruch. Außenministeriumssprecher Esmail Baghai sagte bereits am Samstag vor Reportern, ein Sonntagstermin stehe „nicht fest und wird morgen nicht sein“. Die staatliche Nachrichtenagentur Fars zitierte am Sonntag einen Insider, eine „endgültige Entscheidung“ der Staatsspitze sei noch nicht gefallen; die Zustimmung des Obersten Religionsführers Ali Khamenei stehe weiter aus. Iranische Medien veröffentlichten zusätzlich einen Entwurf des Abkommens, den Trump auf Truth Social umgehend als falsch zurückwies.
Eskalation im Libanon, G-7 wartet
Parallel verschärfte sich die regionale Lage. Israels Luftwaffe griff am Sonntag erneut Hisbollah-Ziele bei Beirut an und ordnete Evakuierungen im Südlibanon an, wie der Tagesspiegel meldete. Der pakistanisch vermittelte Genfer Plan steht damit unter doppeltem Druck. Während die Bankenstörung in Teheran die innere Stabilität trifft, kompliziert die Eskalation in Libanon die diplomatische Choreografie.
Trumps Wochenend-Frist hatte einen klaren politischen Grund: Am Montag beginnt der G-7-Gipfel im französischen Évian, an dem Bundeskanzler Friedrich Merz, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Kanadas Premier Mark Carney teilnehmen. Ein unterzeichnetes Memorandum wäre dort Trumps stärkster Trumpf gewesen. Eine deutsche Reaktion auf den Cyberangriff oder die ausgebliebene Unterzeichnung lag am Sonntagabend nicht vor; Bundesaußenminister Johann Wadephul hatte Anfang Juni allgemein zur Deeskalation gemahnt.