Iran ist bei der WM 2026 mit einem 2:2 gegen Neuseeland gestartet, das in der Nacht zum Dienstag im SoFi Stadium in Inglewood vor mehrheitlich iranisch geprägtem Publikum mehr Politik als Sport war. Mohammad Mohebi glich in der 64. Minute zum 2:2 aus, nachdem Elijah Just die Neuseeländer zweimal in Führung gebracht hatte - in der 7. und in der 54. Minute. Wie wir am Montag berichteten, hatte das iranische Team gegen einen Außenseiter gespielt, der in der Vorbereitung 0:4 gegen Haiti verloren hatte. Es wurde ein Schlagabtausch zweier WM-Debütanten, den die Fussballdaten als „torreich“ und ESPN als „pulsierend“ beschrieben.

Den Anschluss zum 1:1 hatte Ramin Rezaeian in der 32. Minute besorgt, der außerdem an Mohebis Treffer beteiligt war. Mehdi Taremi blieb glücklos im Sturm, Iran hatte das größere Spielanteils-Plus, scheiterte aber an einer disziplinierten neuseeländischen Defensive um Maximilian Pijnaker. Kapitän Chris Wood blieb im Angriff der „All Whites“ unter dem Niveau, das er beim FC Burnley zeigte; den Unterschied machte Außenstürmer Just, der seine ersten beiden WM-Tore in einer Halbzeit erzielte.

Ich glaube, unsere Mannschaft ist die am stärksten unterdrückte bei dieser Weltmeisterschaft.
- Amir Ghalenoei, Iran-Trainer, nach dem Spiel

Ghalenoei: Direkt nach Abpfiff zurück nach Tijuana

In der Pressekonferenz machte Iran-Trainer Amir Ghalenoei die Begleitumstände öffentlich. Direkt nach Abpfiff musste die Mannschaft die USA verlassen und in das Quartier in Tijuana zurückkehren, das der iranische Verband nach den militärischen Spannungen zwischen Washington und Teheran seit Februar bezogen hatte. „Sie haben uns nicht einmal Zeit zur Regeneration gegeben“, zitiert TSN Ghalenoei. „Nach dem Spiel heute hieß es: Ihr müsst sofort abreisen.“ Mehrere Spieler hätten Krämpfe gehabt, deshalb habe er ausgewechselt. Sein Fazit: „Ich glaube, unsere Mannschaft ist die am stärksten unterdrückte bei dieser Weltmeisterschaft.“

Vor dem Stadion in Inglewood hatten mehrere hundert iranisch-amerikanische Demonstranten gegen die Regierung in Teheran protestiert. Ein Bundesrichter in Los Angeles hatte wenige Stunden vor Anpfiff das FIFA-Verbot der vorrevolutionären Löwen-und-Sonne-Flagge in den Stadien bestätigt; im SoFi Stadium tauchte sie trotzdem auf der Tribüne auf. Wie ABC7 Los Angeles berichtet, kehrten viele Diaspora-Fans während der Nationalhymne dem Spielfeld den Rücken zu, jubelten dann aber bei jedem iranischen Ballbesitz. Der iranische Aktivist Arash Razi sagte: „Es ist nicht unsere Nationalmannschaft, das ist die Mannschaft der Islamischen Republik.“ Nach dem Schlusspfiff applaudierten die Iraner ihren Fans, tauschten Trikots mit den Neuseeländern und verließen das Spielfeld schnell.

Belgien und Ägypten als nächste Hürden

Sportlich bleibt die Gruppe G eng. Belgien hatte am Vortag 1:1 gegen Ägypten gespielt, alle vier Teams stehen nach dem ersten Spieltag bei einem Punkt. Für Iran geht es am Samstag in Seattle gegen Belgien weiter, am 26. Juni in Boston gegen Ägypten. Ghalenoei dämpfte die Erwartung an Erholung. „Sie zwingen uns früh zurück, ohne Zeit zur Regeneration - das macht die Lage schwieriger“, sagte der 62-Jährige laut TSN. „Aber wir lassen uns davon nicht abhalten, unser Bestes zu geben.“ Im SoFi Stadium war das diese Nacht zumindest ein Punkt.