Iran beginnt seine WM 2026 in der Nacht zum Dienstag im SoFi Stadium in Inglewood gegen Neuseeland. Anpfiff in Kalifornien ist um 18.00 Uhr Ortszeit, in Deutschland zeigt das ZDF die Partie ab 3.00 Uhr MESZ, parallel läuft sie auf MagentaTV. Pfeifen wird der mexikanische Schiedsrichter César Ramos. Für die Mannschaft von Trainer Amir Ghalenoei ist es der erste WM-Auftritt seit der Endrunde in Katar - und einer der politisch aufgeladensten der Vorrunde.

Das iranische Team kam erst am Sonntag aus seinem Quartier im mexikanischen Tijuana nach Los Angeles. Ursprünglich war ein Trainingslager in Tucson, Arizona, geplant gewesen, doch nach den militärischen Spannungen zwischen den USA und dem Iran seit Februar verlegte der Verband das Quartier nach Mexiko. Pendelreisen sollen nur an Spieltagen erfolgen. Wie die Sportschau berichtet, wurden 15 Delegationsmitgliedern US-Visa verweigert, kurz vor dem Auftaktspiel zog die FIFA dem iranischen Verband außerdem die zugeteilten Fan-Tickets ab. „Natürlich wirkt sich das aus“, sagte Ghalenoei zu den Bedingungen.

Natürlich wirkt sich das aus.
- Amir Ghalenoei, Iran-Trainer, in Los Angeles

Auf dem Platz ist die Ausgangslage trotz aller Begleitumstände klar. Iran führt die Weltrangliste der Gruppe G an, will über Mehdi Taremi und Kapitän Ehsan Hajsafi kommen und gilt im Wettmarkt als Favorit. Eine zusätzliche Hypothek ist allerdings die seit März 2026 ausgesetzte heimische Liga - viele Routiniers in der Defensive haben seit Monaten keine Pflichtspielminuten gesammelt. Stürmer Sardar Azmoun fehlt nach politischen Kontroversen, dafür steht im 26er-Kader unter neuem Namen der frühere deutsche U-19-Auswahlspieler Dennis Eckert Ayensa aus Bonn.

All Whites mit Wood und Sorgen in der Generalprobe

Neuseeland tritt zur dritten WM-Endrunde der Verbandsgeschichte an, nach 1982 in Spanien und 2010 in Südafrika. Kapitän und einzige Premier-League-Konstante ist Stürmer Chris Wood, dahinter sind die Erwartungen gedämpft: In der Vorbereitung verlor das Team 0:4 gegen Haiti und blieb auch gegen Finnland, Ecuador und Kolumbien ohne Erfolg. Trainer Darren Bazeley setzt nach Berichten von Yahoo Sports auf ein 4-3-3 mit Maximilian Pijnaker und Sam Cacace in der Innenverteidigung sowie auf Marko Stamenic im Mittelfeld.

Politisch begleitet ist der Auftritt aus Sicht des iranischen Teams auch sportlich relevant. Wer Gruppe G mit Belgien und Ägypten als Zweiter abschließt, könnte im Achtelfinale auf den Mitgastgeber USA treffen - eine Konstellation, die der iranische Verband nach der Niederlage gegen die USA bei der WM 2022 vermeiden möchte. Vor dem Stadion in Inglewood erwarten die Behörden am Montagabend Demonstrationen iranischer Exilanten mit der vorrevolutionären Flagge, das Team trägt während des Turniers Anstecker mit der Zahl 168, in Erinnerung an die Opfer eines US-Luftangriffs auf eine iranische Schule. „Wir spüren die Spannungen seit dem ersten Moment“, sagte Kapitän Hajsafi der Deutschen Presse-Agentur.