Iran und Oman haben sich nach Angaben der Regierung in Teheran auf die Karte einer neuen Schifffahrtsroute durch die Straße von Hormus geeinigt. Außenamtssprecher Esmail Baghaei sagte am Montag auf der wöchentlichen Pressekonferenz in Teheran, die geografischen Koordinaten der Passage seien mit Maskat abgestimmt; das Abkommen solle nun „in Form eines Pakets aus Karte und gemeinsamer Erklärung“ finalisiert werden. Damit rückt sechs Wochen nach dem Islamabad-Memorandum zwischen Präsident Donald Trump und dem iranischen Präsidenten Massud Peseschkian erstmals ein greifbarer Zwischenschritt in Reichweite.
Der Zeitpunkt ist heikel. Am selben Montag lief die 60-Tage-Frist aus, die im Juni für die Wiederaufnahme der amerikanisch-iranischen Nukleargespräche vereinbart worden war. Baghaei räumte laut der Nachrichtenagentur IRNA ein, dass diese Gespräche in dieser Frist nie begonnen hätten. Die Verzögerung bei der Hormus-Vereinbarung führte der Sprecher auf die „Komplexität der Materie, die Zahl der Akteure und die Versuche gewisser böswilliger Parteien“ zurück, ohne diese namentlich zu nennen. Beide Seiten wollten einen Mechanismus schaffen, der „ihre Interessen wahrt, ihre Bedenken adressiert und die Belange der internationalen Schifffahrt berücksichtigt“.
Iran und Oman haben sich auf die Karte der neuen Route für den Seeverkehr in der Straße von Hormus geeinigt.
Über die konkrete Ausgestaltung berichten Bloomberg und der arabische Sender Al Jazeera seit Anfang August: Vorgesehen ist eine zunächst auf 60 Tage befristete Regelung ohne Transitgebühren. Frachter sollen künftig durch iranische Hoheitsgewässer in den Persischen Golf einlaufen und den Golf auf einer südlichen Route entlang der omanischen Küste wieder verlassen. Der Vizeaußenminister für Rechtsfragen, Kasem Gharibabadi, hatte bereits vergangene Woche klargestellt, dass es sich um „ein neues Modell“ handele, nicht um eine „vollständige Wiedereröffnung“ der Meerenge. Rund ein Fünftel der weltweiten Öl- und Flüssiggastransporte passiert die Straße von Hormus.
Trump droht Oman - „wenn sie sich einmischen“
In Washington bleibt der Ton scharf. In einem Fox-News-Interview am Montag warnte Trump den bislang als Vermittler auftretenden Sultanat: „If Oman gets in the way, we'll bomb the s--- out of them“, zitiert Euronews. Das Weiße Haus hatte in den Tagen zuvor beklagt, dass Teheran die Meerenge weiter faktisch kontrolliert, während US-Marineeinheiten am östlichen Ende des Persischen Golfs stationiert sind. Trump verlangt, dass Schiffe die Passage ohne iranische Genehmigung und ohne Gebühren durchfahren können - eine Position, die Baghaei am Montag zurückwies: Ohne den Rückzug der US-Blockade und die Umsetzung der April-Absprachen sei „eine sichere Durchfahrt allein mit Oman nicht zu erreichen“.
Muskat selbst hat sich zu Baghaeis Ankündigung zunächst nicht öffentlich geäußert. Am 23. Juni hatten das iranische und das omanische Außenministerium eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht, in der sich beide Seiten zur „sicheren und offenen Wasserstraße für die internationale Schifffahrt“ bekannten und eine Arbeitsgruppe für die künftige Verwaltung, die Dienstleistungen und die damit verbundenen Kosten vereinbarten. Die jetzige Karte ist das erste operative Ergebnis dieser Arbeitsgruppe.
Angriffe auf Schiffe halten an
Im Hintergrund der Verhandlungen halten die Zwischenfälle vor der arabischen Küste an. Am 14. August meldeten die Vereinigten Arabischen Emirate den Beschuss eines Öltankers vor Fudschaira; die staatliche Ölgesellschaft ADNOC sprach von einem „feindseligen iranischen Angriff“. Zwei Tage später kündigte Trump in New York an, die Straße von Hormus nach einem „Sieg“ über Iran zum US-Territorium zu erklären - eine Formulierung, die Gharibabadi als „weder mit einem Tweet noch mit einem Flugzeugträger“ durchsetzbar zurückwies. Beobachter aus dem Golfraum, die die taz zitiert, taxieren die Chance auf einen Abschluss der Vereinbarung binnen der laufenden Woche auf „50:50“ - zentrales Problem sei, dass die iranischen Revolutionsgarden in der Delegation bislang nicht vertreten seien, ihre Zustimmung aber nötig sei.
Für die Bundesregierung, die im Juni bereits ein Bundeswehr-Mandat für einen möglichen Marineeinsatz vorbereitet hatte, ist die Perspektive einer regionalen Regelung ohne westliche Beteiligung ambivalent. Sollte die Karte Bestand haben, würden europäische Reeder wieder eine kalkulierbare Route erhalten - allerdings unter iranischer und omanischer Aufsicht, nicht unter dem Schutz der US-Marine oder einer europäischen Mission. Endgültige Klarheit soll die für die kommenden Tage angekündigte gemeinsame Erklärung Teherans und Maskats bringen.