Der Iran hat am Sonntagabend nach Angaben der israelischen Armee zum ersten Mal seit der Waffenruhe vom 8. April wieder Raketen auf Israel abgefeuert. Iranische Staatsmedien sprachen von zwei Salven, das israelische Fernsehen meldete vier ballistische Geschosse, die in zwei Wellen Richtung Zentralisrael flogen. Trümmerteile schlugen in der Region nahe Tiberias im Norden ein, Verletzte oder schwere Schäden meldeten die Behörden zunächst nicht. Die Luftabwehr habe nach Angaben der Streitkräfte die meisten Raketen abgefangen, berichtet die Tagesschau-Liveberichterstattung.
Begründet wurden die Angriffe in einer Erklärung des iranischen Generalstabs mit „wiederholten Verstößen“ der israelischen Armee gegen die Waffenruhe im Libanon. Stunden zuvor hatte Israels Luftwaffe Ziele im südlichen Beiruter Vorort Dahiyeh angegriffen, einer Hochburg der Hisbollah. Premierminister Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Israel Katz erklärten, die Schläge in Beirut seien eine Reaktion auf vorausgegangenen Raketenbeschuss aus dem Libanon gewesen.
Die Revolutionsgarden drohten Israel laut Tagesspiegel mit „umfassenderen“ Vergeltungsschlägen, sollten weitere Angriffe auf den Libanon folgen. Der Sprecher der iranischen Atomverhandlungsdelegation, Mohammad Bager Ghalibaf, sagte im staatlichen Rundfunk, weder Washington noch Tel Aviv hielten sich an Waffenstillstand oder Dialog.
Sie halten sich weder an einen Waffenstillstand noch glauben sie an den Dialog.
In Israel bleiben am Montag landesweit die Schulen geschlossen, der Zivilschutz löste während des Angriffs in mehreren Bezirken Sirenenalarm aus. Der Flughafen Ben Gurion bei Tel Aviv blieb zunächst geöffnet. Aus Regierungskreisen verlautete, die Reaktion werde „hart“ ausfallen; man werde nicht hinnehmen, dass der Iran neue „Regeln des Engagements“ diktiere.
Auch der Golf bleibt angespannt: Wie das US-Zentralkommando mitteilte, schossen amerikanische Einheiten am Sonntag zwei iranische Kampfdrohnen über internationalem Gewässer nahe der Straße von Hormus ab. Die Drohnen hätten die zivile Schifffahrt bedroht.
Die Waffenruhe vom 8. April hatte einen offenen Krieg zwischen Iran und Israel beendet, der seit Frühjahr 2026 die Region erschüttert hatte. Sie wurde mehrfach verlängert, ist aber seit Mai brüchig. Mit dem Raketenangriff vom Sonntagabend droht die fragile Vereinbarung nun zu zerbrechen - wenige Tage, bevor in Brasilien der nächste IAEA-Bericht zum iranischen Atomprogramm vorgelegt wird.