Nach nahezu vier Monaten Krieg haben die USA und der Iran am Sonntag den Abschluss eines Friedensabkommens verkündet. „The Deal with the Islamic Republic of Iran is now complete“, schrieb US-Präsident Donald Trump auf Truth Social und ordnete die sofortige Aufhebung der US-Seeblockade iranischer Häfen sowie die mautfreie Wiedereröffnung der Straße von Hormus an. Die formelle Unterzeichnungszeremonie ist nach Angaben des pakistanischen Premierministers Shehbaz Sharif für Freitag, den 19. Juni, in der Schweiz geplant - nicht mehr für den ursprünglich angekündigten Sonntag, über den wir am Samstag berichtet hatten.

Sharif, der die Vermittlung zwischen Washington und Teheran für sich reklamiert, schrieb auf X, das Abkommen sehe die „sofortige und dauerhafte Beendigung der militärischen Operationen an allen Fronten, einschließlich des Libanon“, vor. Aus Teheran bestätigte der stellvertretende Außenminister Kazem Gharibabadi am Sonntag die Einigung, ließ den Inhalt aber zunächst offen. Bis Samstagabend hatte das iranische Außenministerium noch von einem fehlenden Plazet des Obersten Religionsführers Ali Khamenei gesprochen - eine Hürde, die nach Darstellung Sharifs nun überwunden ist.

Friede und Sicherheit für die gesamte Region.
- Donald Trump, US-Präsident, Truth Social

Hormus offen, Blockade aufgehoben

Konkret regelt das Memorandum nach übereinstimmenden Angaben von Al Jazeera und CNBC zwei sofortige Schritte: Iran öffnet die Straße von Hormus für den freien Schiffsverkehr ohne die zuletzt erhobenen Mautgebühren, die USA ziehen ihre Seeblockade vor iranischen Häfen ab. Beides ist Teil eines Pakets, das am Genfer Tisch über die vergangenen Wochen ausgehandelt wurde und die offene Kriegsphase seit Ende Februar formal beendet. Über die zuvor bekannten 14 Eckpunkte des Entwurfs - dauerhafter Waffenstillstand auch im Libanon, 60-Tage-Frist für ein Folge-Atomabkommen, Freigabe von 24 Milliarden Dollar eingefrorener iranischer Mittel - liegt ein offizieller Wortlaut bis Sonntagabend nicht vor.

Britische und französische Reaktionen folgten umgehend. Premierminister Keir Starmer und Präsident Emmanuel Macron begrüßten die Einigung, Macron mit besonderem Verweis auf die libanesische Souveränität und die Wiederöffnung des Schiffsverkehrs. Der Weg zum G-7-Gipfel im französischen Évian, der am Montag beginnt, ist damit frei für ein Treffen, das nicht mehr von einer offenen Eskalation in Nahost überschattet wird. Bundesaußenminister Johann Wadephul hatte den ausgehandelten Waffenstillstand bereits in der Vorwoche als „entscheidenden ersten Schritt zu einem dauerhaften Frieden“ bezeichnet; eine offizielle deutsche Stellungnahme zur Sonntagsmitteilung Trumps lag am späten Abend noch nicht vor.

Israel und der Libanon

Offen ist, wie Israel den Passus zum Libanon mitträgt. Sharifs Mitteilung nennt einen „dauerhaften Stopp aller militärischen Operationen, einschließlich des Libanon“, als Vertragsbestandteil - eine Formulierung, die israelische Schläge gegen die Hisbollah einschließen würde. Bis Sonntagabend hatte das Büro von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sich nicht öffentlich zu der Erklärung geäußert. In Washington hängt die Tragfähigkeit der Vereinbarung damit auch von der Antwort aus Jerusalem ab, die in den kommenden Tagen erwartet wird.

Wirtschaftlich dürfte die Mitteilung schnell Spuren hinterlassen. Die Straße von Hormus, durch die rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls läuft, war seit Februar nur eingeschränkt nutzbar; die IATA hatte zuletzt für die Luftfahrt zweistellige Gewinnausfälle gemeldet. Mit der Wiederöffnung rechnen Marktanalysten mit einem deutlichen Rückgang der Risikoprämien an den Ölmärkten zu Wochenbeginn. Trump selbst, der am Sonntag in Washington seinen 80. Geburtstag begeht, kündigte an, am Montag nach Évian zu reisen - das angekündigte Memorandum als Trumpf in der Tasche.