Der Iran hat die seit April über pakistanische Vermittler geführten Gespräche mit den USA am Montag offiziell ausgesetzt. Die regierungsnahe Nachrichtenagentur Tasnim begründete den Schritt mit den anhaltenden israelischen Militäreinsätzen im Libanon. Damit kappt Teheran kurz vor der erwarteten Unterzeichnung eines Rahmenpapiers die einzige verbliebene Schiene zwischen seinen Diplomaten und der Trump-Regierung.

Außenminister Abbas Araghchi formulierte die neue Linie unmissverständlich: Eine Verletzung der Waffenruhe an einer Front sei eine Verletzung an allen Fronten. Voraussetzung für eine Wiederaufnahme der Gespräche sei ein sofortiger Stopp aller israelischen Operationen in Gaza und im Libanon sowie ein vollständiger Abzug aus den besetzten Gebieten im Süden des Landes. Die Revolutionsgarden gingen noch weiter und kündigten an, die Straße von Hormus „vollständig“ zu schließen, jene Meerenge, durch die rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Erdöls verschifft wird.

Donald Trump versuchte die Lage zu entschärfen. Auf die Frage von NBC News, ob die Vermittlungen tatsächlich beendet seien, antwortete der Präsident am Montagabend, er habe davon „noch nichts gehört“. Wenig später erklärte er per Truth Social, die Gespräche liefen „in zügigem Tempo“ weiter, eine Einigung könne in der kommenden Woche stehen. Hinter den Kulissen hatte Trump in einem nach Berichten der Webseite Axios hart geführten Telefonat Premierminister Benjamin Netanjahu zur Mäßigung gedrängt; israelische Truppen, die in Richtung Beirut vorrückten, hätten anschließend kehrtgemacht.

Wenn Zivilisten den Preis der militärischen Eskalation zahlen und Teile des Libanon dauerhaft unbewohnbar werden, macht das Israels Nachbarschaft langfristig weniger sicher.
- Johann Wadephul, Bundesaußenminister, im Tagesspiegel

Aus Berlin meldete sich Außenminister Johann Wadephul (CDU) mit eindringlichen Worten. Israels Vorrücken im Südlibanon gebe „Anlass zu großer Sorge“, sagte der CDU-Politiker dem Tagesspiegel. Er forderte alle Konfliktparteien auf, die Kämpfe einzustellen und zur vereinbarten Waffenruhe zurückzukehren. Die Hisbollah müsse ihre Raketenangriffe auf Nordisrael beenden, die libanesische Regierung „entschieden“ gegen die Miliz vorgehen. Die Bundesregierung sucht parallel über den pakistanischen Kanal nach Vermittlungsspielraum, um die Atomgespräche zu retten.

Beirut zwischen Verhandlung und Front

In Beirut versucht Präsident Joseph Aoun einen ähnlichen Spagat. Verhandlungen seien „sicherer als Krieg“, erklärte er nach einer Sitzung des Kabinetts. Der direkte Kanal nach Washington bleibe offen, allerdings könne sein Land den eigenen Süden nicht befrieden, solange die Hisbollah weiter Raketen auf Galiläa abfeuere. Am Sonntag traf ein israelischer Angriff eine Klinik in Tyros, mindestens zwei Menschen starben, 23 wurden verletzt. Aus den südlichen Vororten Beiruts waren bereits am Wochenende Evakuierungen ausgerufen worden.

Die Hisbollah selbst lehnte einen Stopp der Angriffe ab. Warum man Schläge einstellen solle, die Israel träfen, fragte ein Sprecher der Miliz nach Angaben libanesischer Medien. Trump behauptete am Montagabend dennoch, mit der Hisbollah-Spitze direkt gesprochen und eine Zusage zur Feuerpause erhalten zu haben, eine Darstellung, die im Süden Beiruts umgehend bestritten wurde.

Die diplomatische Eiszeit zwischen Washington und Teheran trifft eine angespannte Weltwirtschaft. Die Eurozonen-Inflation kletterte im Mai laut Eurostat auf 3,2 Prozent, getrieben vor allem von wieder steigenden Energiepreisen. Die EZB entscheidet am 11. Juni über den nächsten Zinsschritt; eine Sperrung der Straße von Hormus würde den Brent-Ölpreis nach Einschätzung der meisten Analysten kurzfristig in den dreistelligen Bereich treiben. Trumps Hoffnung auf einen schnellen Iran-Deal hängt damit unmittelbar von den nächsten Stunden im Libanon ab.