Wenige Stunden vor dem Anpfiff der Fußball-Weltmeisterschaft am Donnerstagabend hat sich der Krieg zwischen den USA und dem Iran zugespitzt. Das US-Zentralkommando CENTCOM bombardierte nach Angaben der Sportschau und des US-Senders NBC in mehreren Wellen rund 20 iranische Ziele an der Straße von Hormus, darunter Luftabwehranlagen, Radarstellungen und Bodenkontrollstationen in der Hafenstadt Bandar Abbas, auf der Insel Qeschm und im Ort Sirik. Auch zwei Trinkwassertanks in Sirik wurden getroffen, wie Al Jazeera dokumentierte. Teheran konterte mit Raketen- und Drohnenangriffen auf das US-Marine-Hauptquartier in Bahrain und einen US-Stützpunkt in Jordanien.
Auslöser der jüngsten Eskalation war der Abschuss eines US-Apache-Hubschraubers über der Straße von Hormus am Dienstag. Donald Trump bestätigte den Vorfall auf seinem Netzwerk Truth Social: „Es waren zwei Piloten an Bord, die beide wohlauf und unverletzt sind. Dennoch müssen die Vereinigten Staaten zwangsläufig auf diesen Angriff reagieren.“ Die Piloten wurden laut ZDFheute nach rund zwei Stunden mit einem unbemannten Drohnenboot vor der Küste Omans geborgen - ein in der US-Marine erstmaliger Einsatz dieser Art. CENTCOM nannte die folgenden Schläge „Selbstverteidigung“ gegen eine „ungerechtfertigte und anhaltende Aggression des Irans“.
Die iranische Antwort kam umgehend. Außenminister Abbas Araghtschi schrieb auf X: „Unsere schlagkräftigen Streitkräfte werden keinen Angriff und keine Bedrohung unbeantwortet lassen.“ Die Revolutionsgarden erklärten die Straße von Hormus laut Al Jazeera „bis auf Weiteres“ für gesperrt und drohten, jedes Schiff in der Meerenge zu beschießen. Die EU hatte erst am 8. Juni Sanktionen gegen die Marine der Revolutionsgarden verhängt, weil diese ein Mautsystem für die Durchfahrt eingerichtet hat, wie die Branchenplattform Wattline berichtet. Seit Kriegsbeginn Ende Februar leiten zahlreiche Reedereien ihre Frachter ohnehin über das Kap der Guten Hoffnung um.
Wir haben der Fifa bereits mitgeteilt, dass die Verantwortlichen des Teams das Spiel abbrechen würden, sobald wir in den Stadien politische Parolen hören.
Iran reist trotz Krieg an
Sportlich hält Teheran am WM-Plan fest. Die Mannschaft trainiert weiter in Tijuana und fliegt einen Tag vor ihrem ersten Gruppenspiel gegen Neuseeland am 15. Juni nach Los Angeles, wie die taz schreibt. Die USA hatten den Spielern Visa erteilt, etwa einem Dutzend Verbandsfunktionären inklusive Präsident Mehdi Tadsch jedoch nicht. Pro Spieltag dürfen die Iraner einreisen, müssen aber noch am selben Tag wieder ausreisen. Zwei der drei Vorrundenpartien finden in Los Angeles statt, wo laut taz fast zwei Millionen Mitglieder der persischen Diaspora leben - Trump hatte dem Team noch im Mai öffentlich geraten, „zu ihrer eigenen Sicherheit“ gar nicht erst zu kommen.
Im Vorfeld der Spiele in Kalifornien hat Sportminister Ahmad Donjamali der FIFA mit dem Spielabbruch gedroht, sollten in den Stadien Parolen oder die alte persische Flagge mit Löwen- und Sonnenemblem gezeigt werden - das Symbol monarchistischer Oppositionsgruppen. FIFA-Präsident Gianni Infantino, der nach Recherchen des ZDF im Frühjahr einen Boykott-Vorschlag aus dem Trump-Umfeld zurückwies, hat sich öffentlich weder zu den Reisebeschränkungen noch zur militärischen Eskalation geäußert. Während im Aztekenstadion in Mexiko-Stadt um 21 Uhr deutscher Zeit der Ball gegen Südafrika rollt, lag der Stützpunkt in Bahrain wenige Stunden zuvor unter iranischem Raketenbeschuss - keine 4.500 Kilometer Luftlinie vom Tijuana entfernten WM-Quartier des Iran.