Die US-Streitkräfte haben in der Nacht zum Montag zum neunten Mal in Folge Ziele im Iran angegriffen. Das Regionalkommando Centcom teilte mit, in einer dreistündigen Operation seien Kommandozentralen, Flugabwehr- und Küstenradarstellungen, Raketen- und Drohnenabschussrampen sowie Kommunikationsnetze getroffen worden. Ziel sei es, Teherans Fähigkeit zu schwächen, den Schiffsverkehr in der Straße von Hormus zu stören. Präsident Donald Trump erklärte laut Handelsblatt: „Wir haben sie heute Nacht wieder sehr hart getroffen.“ Die Angriffswelle endete gegen 5.30 Uhr Ortszeit.

Vor der Küste des Oman treibt seit dem Vormittag ein brennendes Schiff etwa 15 Kilometer nordwestlich von Kumzar. Die britische Seebehörde UKMTO bestätigte den Vorfall, die Ursache blieb zunächst unklar. Die iranischen Revolutionsgarden meldeten, sie hätten zwei Öltanker in der Region gestoppt, die auf „nicht genehmigte“ Weise in die Meerenge einfahren beziehungsweise diese verlassen wollten. Beide Schiffe seien anschließend „explodiert“, zitiert die ZDF-Redaktion die staatlichen Medien. Am Sonntag durchquerten laut Handelsblatt nur vier Schiffe die Meerenge, am Samstag acht - vor Beginn der Kampagne waren es zwischen 40 und 60 pro Tag.

Aus Tabriz im Nordwesten Irans meldete Al Jazeera nach einem US-Angriff mindestens einen Toten und mehrere Verletzte. Auf US-Seite bestätigte Centcom am Wochenende den Tod eines Soldaten bei einer Sprengung einer nicht detonierten iranischen Drohne im Nordirak. Damit steigt die Gesamtzahl der im Krieg gefallenen US-Soldaten laut Handelsblatt-Berichterstattung auf 17, mehr als 430 wurden verwundet. Iran feuerte in den vergangenen Tagen erneut auf US-Stützpunkte in Kuwait, Bahrain, Jordanien und Irak.

Ölpreis auf Vier-Monats-Hoch

Wir sind für die Diplomatie immer offen. Aber es muss ein Abkommen sein, an das sich Iran halten würde.
- Marco Rubio, US-Außenminister, gegenüber CBS

An den Rohstoffbörsen kletterte der Preis für ein Barrel Brent zur September-Lieferung erstmals seit Anfang Juni über die Marke von 90 Dollar. Der Kontrakt legte um knapp vier Prozent auf 91,42 Dollar zu, wie das Handelsblatt berichtete. In den USA stieg der Benzinpreis auf 4,003 Dollar pro Gallone - umgerechnet 0,93 Euro pro Liter. Seit Kriegsbeginn Ende Februar ist der Preis um 30 Prozent gestiegen. Außenminister Marco Rubio schloss ein weiteres Reagieren nicht aus. Der iranische Außenamtssprecher Ismail Baghai erklärte, „über Vermittler vorgebrachte Vorschläge“ seien übermittelt worden - konkrete Verhandlungen sind bislang nicht anberaumt.

Für die deutsche Industrie ist die Lage eng verzahnt mit den Lieferketten. Rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls passiert die Straße von Hormus. Bundesaußenminister Johann Wadephul hatte zuletzt beim G7-Treffen in Evian von einem „gefährlichen Moment“ gesprochen. In den vergangenen Wochen berichteten wir über die Marine-Verlegung nach Dschibuti unter Verteidigungsminister Pistorius, die Cyberangriffe auf iranische Banken durch die Gruppe „Black Wolves“ sowie die Warnung des Deutschen Bauernverbands vor Düngerknappheit. Die Ereignisse von Montagfrüh markieren die schwerste Eskalation seit dem Zusammenbruch der kurzen Waffenruhe Anfang Juli.