Pakistan hat am Samstag die Vermittlerrolle im US-iranischen Verhandlungsprozess offiziell für sich reklamiert. Premierminister Shehbaz Sharif schrieb auf X, „ein endgültiger, von allen Seiten abgestimmter Text des Friedensabkommens“ sei erreicht. Stunden später kündigte US-Präsident Donald Trump auf Truth Social an, das Memorandum werde am Sonntag unterzeichnet, die Straße von Hormus solle „sofort danach“ wieder geöffnet werden. Aus Teheran kam erneut Widerspruch.
Damit verdichtet sich der am Freitag bekannt gewordene Genfer Plan, über den wir berichtet hatten, zu einem konkreten Wochenend-Termin. Nach Informationen westlicher Insider sollen Vize-Präsident JD Vance und der iranische Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf am Sonntag in Genf elektronisch signieren. Vier C-17-Transportflugzeuge hatten dafür Vance bereits am Freitag nach Europa gebracht.
Pakistans Premier macht Druck
Sharif erklärte, Islamabad werde nun „eng mit beiden Seiten zusammenarbeiten, um die nächsten Schritte zu klären“. Pakistans Außenministerium ergänzte, eine elektronische Unterzeichnungszeremonie sei für Sonntag terminiert. Sharif sprach in einer Videobotschaft an die Nation davon, dass „Frieden noch nie so greifbar“ gewesen sei wie an diesem Samstag. Die Erklärung folgte auf zweitägige Pendelgespräche pakistanischer Diplomaten zwischen Washington und Teheran.
Wir können bestätigen, dass ein endgültiger, von allen Seiten abgestimmter Text des Friedensabkommens erreicht wurde.
Trump griff den Ball auf. Auf Truth Social schrieb er, die Vereinbarung werde am Sonntag fixiert, eingefrorene iranische Vermögenswerte würden „in Tranchen“ freigegeben. In einer zweiten Botschaft Stunden später warf er der iranischen Führung allerdings vor, falsche Bedingungen zu streuen, und nannte Teile der Regierung in Teheran „ehrlos“. Wie diese beiden Botschaften zusammenpassen, ließen das Weiße Haus und sein Sprecher am Samstagabend unbeantwortet.
Teheran widerspricht der Sonntagsfrist
Die iranische Seite trat auf die Bremse. Außenministeriumssprecher Esmail Baghai sagte vor Reportern in Teheran, ein Unterzeichnungstermin am Sonntag stehe „nicht fest und wird morgen nicht sein“. Außenminister Abbas Araghtschi schrieb auf X, die „Erklärung von Islamabad“ stehe „näher als je zuvor an einem Abschluss“; Spekulationen über genaue Termine seien aber „nicht hilfreich“. Hardliner im iranischen Parlament, unter ihnen Abgeordneter Mahmud Nabawian, kritisierten zudem die Bedingung, wonach die Freigabe der 24 Milliarden Dollar an iranische Kooperation geknüpft werde.
Der NBC News berichtete am Samstag, das letzte fehlende Element sei das Plazet des Obersten Religionsführers Ali Khamenei. Iranische Quellen sprachen gegenüber dem Sender von „finalen Beratungen“ hinter den Kulissen. Nach Angaben des Tagesspiegel-Liveblogs blieb der genaue Inhalt der 14 Eckpunkte am Samstagabend offiziell unter Verschluss; durchgesickert sind unter anderem die unverzügliche Wiederöffnung von Hormus, ein 60-tägiges Folge-Verhandlungsfenster zum Atomprogramm und die Vernichtung des hochangereicherten iranischen Urans unter UN-Aufsicht.
Politisch hat Trump die Frist eng gesetzt. Am Sonntag wird er in Washington seinen 80. Geburtstag begehen, am Montag startet der G-7-Gipfel im französischen Évian. Ein unterzeichnetes Memorandum wäre dort sein Trumpf gegenüber Macron, Merz und Carney - ein offener Streit mit Teheran kurz vor der Unterschrift dagegen ein Bumerang. Bundesaußenminister Wadephul hatte Anfang Juni zur Deeskalation gemahnt; eine deutsche Reaktion auf die Islamabad-Erklärung lag am Samstagabend nicht vor.