In der zehnten Nacht amerikanischer Militärschläge gegen den Iran versuchen regionale Vermittler, den Konflikt zwischen Washington und Teheran anzuhalten. Katar, Ägypten und Pakistan haben beiden Seiten laut übereinstimmenden Berichten von Axios und dem Wall Street Journal einen Vorschlag für eine zehntägige Waffenruhe vorgelegt. Die US-Regierung prüfe das Papier, heißt es aus Washington.
Der Vorstoß, über den auch die Nachrichtenagentur dpa in Berufung auf die US-Berichte am Dienstag informierte, sieht eine befristete Feuerpause vor, während der beide Seiten Modalitäten für eine dauerhafte Deeskalation aushandeln sollen. Die Vermittler treibt nach eigener Darstellung die Sorge, dass sich Washington und Teheran in einem Kreislauf gegenseitiger Nadelstiche einrichten könnten - unterhalb der Schwelle eines offenen Krieges, aber schwer genug, um die Volkswirtschaften am Golf und die globalen Ölmärkte auf unbestimmte Zeit zu belasten.
US-Präsident Donald Trump gibt sich derweil unnachgiebig. „Jedes Mal, wenn der Iran einen amerikanischen Soldaten tötet, wird er diesen Tod um ein Vielfaches bezahlen", ließ er nach Angaben des Portals t-online über sein Netzwerk Truth Social verbreiten. Er habe die Militärführung angewiesen, entsprechend zu handeln. Parallel drängt seine Regierung Israel, Aktionen zu vermeiden, die das diplomatische Fenster schließen könnten.
Jedes Mal, wenn der Iran einen amerikanischen Soldaten tötet, wird er diesen Tod um ein Vielfaches bezahlen.
Aus Teheran kommt ein doppeltes Signal. Präsident Massud Peseschkian bezeichnete sein Land bereits am Wochenende gegenüber staatlichen Medien als in einem „umfassenden Krieg" mit den Vereinigten Staaten. Sein Chefunterhändler Mohammed Bagher Ghalibaf zog laut Axios die Ernsthaftigkeit der amerikanischen Diplomatie in Zweifel und verwies auf zusätzliche US-Kampfjet-Verlegungen in den Nahen Osten. Als Vorbedingung für eine dauerhafte Ruhe fordert der Iran unter anderem die Kontrolle über die Straße von Hormus und ein Ende der Kampfhandlungen zwischen Israel und der Hisbollah.
Deutsche Zurückhaltung, europäische Nervosität
Aus Berlin gab es am Dienstagvormittag keine offizielle Reaktion auf den Vermittlungsvorschlag. Das Auswärtige Amt hatte in den vergangenen Tagen mehrfach zur Deeskalation aufgerufen; Außenminister und Kanzler äußerten sich zuletzt gemeinsam mit den europäischen E3-Partnern Frankreich und Großbritannien. Wirtschaftlich beobachten die Bundesregierung und die EU-Kommission vor allem die Reaktionen an den Rohstoffmärkten: Der Brent-Preis notierte am Montag über 90 Dollar je Fass, die Spritpreise in Deutschland liegen laut ADAC bei rund 2,15 Euro für E10.
Ob die zehn Tage kommen, entscheidet sich in den nächsten 48 Stunden. Sowohl Trump als auch Peseschkian müssten dem Vorschlag zustimmen. Bis dahin, so ein westlicher Diplomat gegenüber dem Wall Street Journal, sei jede Nacht eine weitere Nacht, in der das diplomatische Fenster wieder zufallen könne.