Vier Tage vor dem Eröffnungsspiel der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 hat die US-Regierung den Spielern der iranischen Nationalmannschaft Visa für die Einreise in die Vereinigten Staaten ausgestellt. Ein Beamter des Weißen Hauses bestätigte das am späten Freitagabend gegenüber dem US-Sender ABC News, US-Botschafter Tom Barrack lobte auf X die Arbeit der Botschaft in Ankara, in der die Anträge bearbeitet wurden. Anders als bei den Spielern verweigerte Washington nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim aber rund einem Dutzend Funktionären des iranischen Fußballverbands das Visum, darunter Verbandspräsident Mehdi Tadsch.
Wie der iranische Botschafter in Mexiko, Abolfazl Pasandideh, am Freitag in Tijuana erklärte, dürfen die Spieler nur an ihren drei Gruppenspieltagen amerikanischen Boden betreten und müssen am selben Tag wieder ausreisen. Pasandideh sprach von einer „willkürlichen und diskriminierenden Behandlung“, die Teheran „auf die höchste Stufe gehoben“ habe. Iran spielt in Gruppe G gegen Neuseeland (15. Juni, Los Angeles), Belgien (21. Juni, Los Angeles) und Ägypten (27. Juni, Seattle). Trainingsquartier des Teams bleibt das mexikanische Tijuana, das die Iraner Ende Mai dem ursprünglich geplanten Stützpunkt Tucson in Arizona vorgezogen hatten.
Wir können morgens einreisen und müssen noch am selben Tag wieder ausreisen.
Reise-Marathon von Tijuana
Die Konsequenz: An jedem Spieltag steht für die iranische Mannschaft ein Tagesritt durch zwei Länder an. Von Tijuana nach Los Angeles sind es nach Angaben des Schweizer Tages-Anzeigers gut 230 Kilometer, die Strecke nach Seattle vor dem Spiel gegen Ägypten liegt bei über 2.000 Kilometern. Wie die Sportschau unter Berufung auf Tasnim berichtet, gehören zu den abgelehnten Funktionären neben Verbandspräsident Tadsch auch der Teammanager, Vertreter des Außenministeriums, Mitarbeiter der Sicherheitsabteilung sowie der Pressechef. US-Außenminister Marco Rubio hatte bereits in der Anhörung im Kongress am Dienstag betont, dass die USA keine Personen mit Verbindungen zu den iranischen Revolutionsgarden in der Delegation akzeptieren würden.
Pasandideh wies in der Pressekonferenz am Grenzübergang Chaparral die US-Begründung zurück. Iran sei „nicht in der Lage, unter gleichen Bedingungen teilzunehmen“, sagte er nach Angaben der Watson-Redaktion. Die iranische Botschaft in der Türkei hatte zuvor die Anträge in Ankara bearbeiten lassen, nachdem Teheran keine US-Vertretung im Land hat. Botschafter Mohammad Hassan Habibollahsade erklärte dem ZDF, die mexikanischen Visa für das Team seien „innerhalb von 48 Stunden“ und ohne Fingerabdruck-Termin ausgestellt worden.
Krieg im Hintergrund
Über dem WM-Auftritt liegt ein Konflikt, der Ende Februar zwischen den USA und Iran begonnen hat. Es ist das erste Mal seit der WM-Premiere 1930, dass eine Gastgebernation ein Team aus einem Staat empfängt, mit dem sie sich im Krieg befindet. Rubio hatte am vergangenen Donnerstag im Oval Office vor Journalisten festgehalten, niemand „aus den USA“ habe der iranischen Auswahl gesagt, dass sie nicht kommen könne, und sich damit von einem Trump-Sonderbeauftragten distanziert, der zuvor Italien als Ersatz für Iran ins Spiel gebracht hatte. Die FIFA selbst hat sich zu den Reisebeschränkungen bislang nicht öffentlich geäußert.
Für das sportliche Geschehen bedeutet das vor allem: kaum Akklimatisierung. Während Konkurrent Belgien sein Quartier in Marina del Rey direkt am Spielort Los Angeles aufgeschlagen hat, müssen die Iraner vor jedem Anpfiff stundenlang an die Grenze, durch die US-Kontrollen und zum Stadion. Der Anpfiff gegen Neuseeland in Los Angeles ist auf 18 Uhr Ortszeit angesetzt, in Deutschland läuft die Partie in der Nacht auf den 16. Juni um 3 Uhr.