Israelische Bodentruppen haben am Sonntag die Burg Beaufort im Südlibanon eingenommen. Verteidigungsminister Israel Katz teilte mit, Soldaten hätten 44 Jahre nach dem ersten Einmarsch erneut „die israelische Flagge auf Beaufort gehisst“. Es ist der tiefste israelische Vorstoß in das Nachbarland seit dem Truppenabzug im Jahr 2000.
Die Kreuzfahrerfestung aus dem 12. Jahrhundert liegt auf rund 650 Metern Höhe über dem Litani und überblickt weite Teile des Südlibanon sowie Nordisraels. 1982 hatten israelische Truppen die Burg schon einmal besetzt, beim Rückzug aus dem Libanon im Jahr 2000 aber wieder geräumt. Premierminister Benjamin Netanjahu sprach gegenüber israelischen Medien von einem „entscheidenden Wendepunkt“ im Kampf gegen die Hisbollah und von einer „dramatischen Etappe“ der israelischen Sicherheitspolitik, wie t-online und Tagesspiegel berichten.
Wir haben die Mauer der Angst durchbrochen.
Katz kündigte an, die Armee werde die Festung dauerhaft halten und die Infrastruktur der Hisbollah im Süden weiter zerstören. Das Areal werde Teil einer israelischen Sicherheitszone. In den Tagen vor der Einnahme hatten Luftangriffe und Bodengefechte die umliegenden Dörfer erschüttert; die Region wurde von der Armee zur Kampfzone erklärt, schreibt die taz.
Paris verlangt Dringlichkeitssitzung im Sicherheitsrat
Auf internationaler Ebene reagierte vor allem Frankreich scharf. Außenminister Jean-Noël Barrot sprach von einem „schweren Fehler“ und einer Verletzung des Völkerrechts; nichts könne „die Fortsetzung der israelischen Militäroperationen im Libanon“ rechtfertigen, wie die taz berichtet. Paris hat eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats beantragt. Für den 2. und 3. Juni sind in Washington Verhandlungen zwischen Vertretern Israels, des Libanon und der USA angesetzt.
Der libanesische Premierminister Nawaf Salam warf Israel den Versuch vor, „Geschichte auszulöschen“. Sein Land dürfe nicht zum Spielball regionaler Konflikte werden, sagte er nach Angaben des Tagesspiegel. Parlamentspräsident Nabih Berri fragte gegenüber t-online, wer Israel überhaupt noch zwingen werde, „seine Aggression zu beenden“. Die Hisbollah erklärte, sie habe in Reaktion zehn bis fünfzehn Raketen auf den Norden Israels abgefeuert; ihre Kämpfer versuchten, ein weiteres Vorrücken der israelischen Truppen rund um Nabatija zu verhindern.
Brüchige Waffenruhe, hohe Zahl ziviler Opfer
Die im April geschlossene Waffenruhe gilt offiziell weiter, wird aber von beiden Seiten regelmäßig gebrochen. Seit Beginn der jüngsten Eskalation im März meldet das libanesische Gesundheitsministerium laut Tagesspiegel mehr als 3.200 Tote, über eine Million Menschen wurden im Südlibanon vertrieben. Auf israelischer Seite sind nach SRF-Angaben 25 Soldaten bei den Operationen in den Libanon umgekommen.
Ob die Einnahme von Beaufort die Gespräche in Washington stützt oder torpediert, ist offen. Der Beiruter Nahost-Analyst Joe Macaron sagte gegenüber dem SRF, der Vorstoß stärke Israels Verhandlungsposition vor den Treffen. Salam wiederum bezeichnete direkte Gespräche mit Israel als „den am wenigsten kostspieligen Weg“ für den Libanon. Aus Beirut hieß es zugleich, ohne internationalen Druck auf Westjerusalem werde keine Verhandlungsrunde Bestand haben.