Israel hat in der Nacht zum Montag erstmals seit dem Waffenstillstand vom 8. April wieder militärische Ziele im Iran angegriffen. Nach Angaben der israelischen Streitkräfte traf die Luftwaffe Stellungen im Westen und im Zentrum des Landes. In Teheran, Isfahan, Tabriz, Karaj und Kermanshah hätten Anwohner Explosionen gehört, berichten iranische Medien laut Al Jazeera. Die Schläge sind die Antwort auf die iranische Raketenattacke vom Sonntagabend, über die wir am Vortag berichteten.

Die Armee teilte mit, die Luftwaffe habe „Militärinfrastruktur des iranischen Regimes“ in West- und Zentraliran getroffen. Die Revolutionsgarden bestätigten gegenüber Iran International, Israel habe luftgestartete ballistische Raketen aus dem Luftraum außerhalb iranischen Territoriums abgefeuert; die Maschinen hätten den iranischen Luftraum nicht betreten. Der Flughafen Imam Khomeini in Teheran, der wichtigste des Landes, wurde nach den Angriffen geschlossen. Zur Zahl der Opfer machten beide Seiten zunächst keine Angaben.

US-Präsident Donald Trump hatte Premier Benjamin Netanjahu noch in der Nacht zur Zurückhaltung gemahnt. „Wir glaubten, ihn überzeugt zu haben, abzuwarten“, zitiert die Nachrichtenagentur Associated Press einen US-Regierungsvertreter. Trump selbst erklärte um 3.03 Uhr Washingtoner Zeit, der iranische Raketenbeschuss werde „keine Auswirkungen auf das Abkommen haben“; gemeint ist die seit Wochen laufende erweiterte Atomvereinbarung, die seine Regierung mit Teheran aushandelt.

US-Stützpunkte und israelische Vermögen in der Region werden zu legitimen Zielen.
- Mohammad Bager Ghalibaf, Präsident des iranischen Parlaments, auf X

Bruch der Waffenruhe in beide Richtungen

Die Waffenruhe vom 8. April hatte einen Krieg beendet, der seit Februar 2026 begonnen hatte und nach Wikipedia-Angaben bis Anfang April 28 Tote in Israel sowie schwere Zerstörungen an iranischen Atomanlagen und Militärstrukturen hinterließ. Die Ruhe galt seit Mai als brüchig. Nun ist sie in beide Richtungen gebrochen: Iran hatte am Sonntagabend laut Tagesspiegel erstmals seit April Raketen Richtung Israel gefeuert, die meisten wurden von der Luftabwehr abgefangen. Israel hat in der Nacht erstmals seit April Ziele im Iran getroffen. In Tel Aviv kommt nach Berichten der Times of Israel das Sicherheitskabinett zusammen, in Israel bleiben die Schulen landesweit geschlossen.

Trump zwischen Verhandlungstisch und Druck

Für die US-Administration verschärft sich ein Dilemma. Trump hatte die April-Vereinbarung als persönlichen außenpolitischen Erfolg vermarktet und arbeitet seit Wochen an einer erweiterten Nuklear-Verständigung mit Teheran. Nach dem iranischen Raketenbeschuss erklärte er der Financial Times zufolge, Netanjahu werde am Ende „keine Wahl haben“, als ein Abkommen mit Iran zu akzeptieren. Aus dem Pentagon hieß es nach Angaben des US-Senders CBS zum israelischen Luftangriff auf Beirut am Sonntag: „Wir hatten damit nichts zu tun.“ Bei diesem Angriff auf den Hisbollah-Vorort Dahiyeh waren laut libanesischem Gesundheitsministerium zwei Menschen ums Leben gekommen, zwanzig wurden verletzt, darunter vier Frauen und vier Kinder.

Iran International zitiert Parlamentspräsident Mohammad Bager Ghalibaf mit einem Aufruf an die Revolutionsgarden, künftig US-Einrichtungen in der Region in die Vergeltungsplanung einzubeziehen. Auf der Strecke der Krise liegen damit auch die Atomgespräche, deren nächste Runde laut diplomatischen Kreisen in Maskat stattfinden soll. Ob sie wie geplant beginnt, ließ das Außenministerium in Teheran am Morgen offen.