Auf der Internationalen Raumstation ISS hat die NASA ihre fünf Astronauten am Freitag in die angedockte SpaceX-Kapsel Crew Dragon in Sicherheit gebracht. Anlass war ein wachsendes Luftleck im russischen Servicemodul Swesda, das in den vergangenen Tagen größer geworden ist. Die Besatzung wurde angewiesen, ihre Druckanzüge anzulegen und sich in die Kapsel zu begeben, während Roskosmos Reparaturversuche unternahm. Wie t-online und Der Bund unter Berufung auf NASA und die russische Raumfahrtbehörde berichten, kehrte die Crew später in die Station zurück.

Betroffen sind vier Mitglieder der im Februar gestarteten Mission SpaceX Crew-12 - zwei US-Astronauten, ein französischer ESA-Astronaut und ein russischer Kosmonaut - sowie der US-Astronaut Chris Williams. Das Leck befindet sich im sogenannten PrK, einem Übergangstunnel zwischen dem Swesda-Modul und dem angedockten russischen Versorgungsschiff. Bereits am 1. Mai war dort eine undichte Stelle entdeckt worden, aus der zunächst rund 500 Gramm Luft pro Tag entwichen. Bis zu dieser Woche stieg die Verlustrate nach Angaben der NASA auf rund zwei Pfund - knapp ein Kilogramm - täglich an.

Risse mit Vorgeschichte

Der PrK-Tunnel macht der Stationsbesatzung nicht zum ersten Mal Sorgen. Seit Jahren tauchen in dem 2000 gestarteten Swesda-Modul, dem ältesten russischen Bauteil der ISS, immer wieder feine Risse auf, die Roskosmos jeweils mit Dichtungsmasse zu verschließen versucht. „Die Risse waren bereits ein Problem, das die NASA sehr genau beobachtet hat", zitiert die Berliner Zeitung eine Sprecherin der US-Raumfahrtbehörde. Roskosmos bemühte sich um Beruhigung: „Die Sicherheit der Besatzung und der Bordsysteme ist nicht gefährdet, der Druck an Bord der ISS ist stabil", hieß es in einer Mitteilung der Agentur.

Nach Angaben von NASA-Sprecherin Bethany Stevens, die 20 Minuten und Der Bund zitieren, unterbrach Roskosmos die laufenden Reparaturen am Freitagnachmittag, um zusätzliche Messungen und Daten zu sammeln. Eine erste undichte Stelle sei bereits mit Dichtungsmasse versiegelt worden, für eine zweite liefen die Vorbereitungen. Anschließend ordneten die Bodencrews die Rückkehr der Astronauten in den Hauptteil der Station an. Die Crew Dragon bleibt am Harmony-Modul angedockt und stünde im Notfall als Rettungsfahrzeug bereit.

Der Vorfall ist nicht der erste, bei dem ISS-Besatzungen Schutz in einem angedockten Raumschiff suchen mussten. In den vergangenen Jahren wurde die Station unter anderem wegen herannahenden Weltraumschrotts kurzfristig in Alarmbereitschaft versetzt. Das russische Segment gilt seit dem Auslaufen des Bauvertrags 2024 als besondere Schwachstelle der gemeinsam betriebenen Plattform. Die NASA hält am geplanten Betrieb der ISS bis 2030 fest, danach soll die Station kontrolliert in den Pazifik abstürzen.