Der frühere US-Sonderermittler Jack Smith hat am Dienstag vor dem Justizausschuss des Senats seine beiden Ermittlungsverfahren gegen Präsident Donald Trump verteidigt. Rund vier Stunden lang saß der 56-Jährige im Kreuzfeuer republikanischer Senatoren, die ihm Machtmissbrauch und politische Motivation vorwarfen. Smith leitete bis Januar 2025 die Bundesermittlungen zum Sturm auf das Kapitol vom 6. Januar 2021 und zum Umgang mit Verschlusssachen in Trumps Anwesen Mar-a-Lago. Beide Verfahren wurden nach Trumps Wahlsieg im November 2024 auf Antrag des Justizministeriums eingestellt.

„Ich stehe zu meinen Entscheidungen als Sonderermittler, einschließlich der Entscheidung, Anklage gegen Präsident Trump zu erheben", sagte Smith zu Beginn seiner Aussage. Seine Ermittlungen hätten „Beweise jenseits vernünftiger Zweifel dafür erbracht, dass Präsident Trump schwere Verbrechen begangen hat", zitiert ihn CNN. Er habe seine Entscheidungen ohne Rücksicht auf Trumps politische Zugehörigkeit oder dessen Kandidatur bei der Präsidentschaftswahl 2024 getroffen: „Status, Macht, Prominenz oder politische Zugehörigkeit des Ermittlungsziels dürfen bei der Entscheidung, zu ermitteln oder anzuklagen, keine Rolle spielen."

Ich werde mich nicht durch anhaltende Drohungen strafrechtlicher Verfolgung durch den Präsidenten oder andere zum Schweigen bringen lassen.
- Jack Smith, ehemaliger US-Sonderermittler, im Senat

Der Vorsitzende des Ausschusses, der republikanische Senator Chuck Grassley aus Iowa, warf Smith vor, mit seinen Ermittlungen weit über Trump hinausgegangen zu sein. Nach Grassleys Darstellung habe Smiths Team rund 4700 Spendenschecks sowie Kommunikationsdaten von Sendern wie CBS, CNN und Fox News eingesehen. Smith räumte ein, dass sein Team Verbindungsdaten - „Non-Content Records" ohne Gesprächsinhalte - einiger Kongressabgeordneter angefordert habe. Begründet wurde das laut Smith mit der Sorge, „Donald Trump würde Beweise vernichten". Der republikanische Senator Eric Schmitt aus Missouri bezeichnete Smith während der Anhörung als „Dirtbag" und unterstellte ihm ein Treffen mit der Staatsanwältin Fani Willis bei einem NBA-Spiel in Atlanta; Smith stellte klar, er habe damals ein College-Basketballspiel der Iowa Hawkeyes besucht.

Vergeltung gegen ehemalige Mitarbeiter

Ein Schwerpunkt der Anhörung war das Vorgehen des Justizministeriums gegen Ex-Mitarbeiter Smiths. Nach Trumps Amtsantritt richtete das DOJ eine Ermittlungsgruppe ein, die frühere Bundesanwälte und FBI-Beamte aus den Trump-Verfahren ins Visier nahm. Der ehemalige Anwalt Joe diGenova hatte die Einheit geleitet und Anfang September seinen Rücktritt erklärt - offiziell wegen überschrittener Zuständigkeiten. Mehrere Mitarbeiter aus Smiths Team wurden entlassen. „Die Tatsache, dass sie rechtswidrig ins Visier genommen wurden und rechtswidrig ihre Arbeit verloren haben, ist ein Skandal", sagte Smith laut CBS News.

Die demokratische Minderheit im Ausschuss stellte sich hinter Smith. Der ranghöchste Demokrat Dick Durbin aus Illinois warf den Republikanern vor, seit Monaten „unbelegte Verschwörungstheorien" über Smiths Arbeit zu verbreiten. Sein Fraktionskollege Cory Booker aus New Jersey sprach von „falschen Narrativen", mit denen Trump als Opfer inszeniert werde. Trump selbst hatte in den vergangenen Wochen wiederholt gefordert, Smith wegen der Verfahren gegen ihn strafrechtlich zu verfolgen. Die Anhörung war Smiths zweiter Auftritt vor dem Kongress in diesem Jahr - im Januar hatte er bereits vor dem Justizausschuss des Repräsentantenhauses ausgesagt.