Das Jane-Austen-Jubiläumsjahr endet mit einem Kinoherbst. Am kommenden Freitag eröffnet in Bath das zehntägige Jane Austen Festival, gut zwei Wochen später bringt Universal die Neuverfilmung „Sinn und Sinnlichkeit“ von Regisseurin Georgia Oakley in die britischen Kinos. Deutscher Kinostart ist der 15. Oktober.

Auf 250 Jahre wäre Austen im Dezember 2025 gekommen. Die Feiern, die im Vereinigten Königreich Museen, Bibliotheken und Feuilletons ein Jahr lang beschäftigten, laufen in diesen Wochen aus - und ausgerechnet jetzt setzt Hollywood zwei große Vorlagen neu um. In Bath, wo Austen von 1801 bis 1806 lebte, ist am 12. September wieder der Regency Costumed Promenade angesetzt, den die Guinness-Buchhalter als weltgrößtes Regency-Kostümtreffen führen.

„Sinn und Sinnlichkeit“ besetzt die Schwestern Dashwood mit Daisy Edgar-Jones und Esmé Creed-Miles. Regie führt Georgia Oakley, deren Debüt „Blue Jean“ 2022 in Venedig lief, das Drehbuch stammt von Diana Reid. Weltpremiere ist am 25. September im Vereinigten Königreich, die USA folgen am 16. Oktober. Focus Features verleiht in Nordamerika, Universal Pictures International in Deutschland und dem Rest der Welt. Der erste Trailer erschien am 25. Juni; das Portal Kino-Zeit ordnet die Produktion als Kostümdrama mit modernem Zuschnitt ein.

Netflix setzt auf klassische Inszenierung

Parallel schließt Netflix eine seit April 2025 vorbereitete Serienadaption von „Stolz und Vorurteil“ ab. Emma Corrin und Jack Lowden übernehmen Elizabeth Bennet und Mr. Darcy, Olivia Colman und Rufus Sewell die Eheleute Bennet, das Drehbuch stammt von Dolly Alderton, Regie führt Euros Lyn („Heartstopper“). Sechs Folgen sind für den Herbst angekündigt, ein präzises Datum hat Netflix bislang nicht genannt. In der offiziellen Ankündigung nannte der Streamer das Ziel, eine „originalgetreue, klassische Adaption des Romans von Jane Austen“ zu produzieren, wie Filmstarts aus dem Presseheft zitierte.

Der im Februar veröffentlichte Teaser stieß in Teilen des Publikums auf Skepsis. Watson.de fasste die Reaktionen so zusammen, dass Zuschauer über eine „Temu-Version“ der Vorlage spotteten. Anders als bei „Bridgerton“ mit seinen Pop-Songs zu Streicher-Arrangements verzichtet die Netflix-Serie auf modernes Musikdesign - der Fokus soll auf dem Text liegen.

Ob das Publikum die Häufung goutiert, ist offen. Die neuen Adaptionen konkurrieren nicht nur untereinander, sondern auch mit dem Erbe von Ang Lees „Sense and Sensibility“ von 1995 mit Emma Thompson und Kate Winslet sowie Joe Wrights „Stolz und Vorurteil“ von 2005 mit Keira Knightley und Matthew Macfadyen, die beide Referenzstatus behalten. Der Standard verweist zudem darauf, dass die BBC-Miniserie „Miss Austen“ mit Keeley Hawes ihre Deutschlandpremiere bereits im September 2025 in der arte-Mediathek hatte - dort ist sie noch bis ins Frühjahr abrufbar.

Für Regisseurin Oakley wie für Corrin ist der Vorstoß in ein Klassiker-Fach eine erste große Studio-Bewährungsprobe. In Bath beginnt am Freitag der zehntägige Vorlauf, der die Feuilletons in den nächsten Wochen mit Bildern versorgen dürfte - bevor sich im Oktober an den Kinokassen entscheidet, welche Neuinterpretation bleibt.