Der österreichische Schauspieler Johannes Krisch ist am Montag im Alter von 59 Jahren in einem Wiener Spital gestorben. Er sei nach langer Krankheit verstorben, teilte das Theater in der Josefstadt am Nachmittag mit. Krisch, langjähriges Ensemblemitglied am Burgtheater und an der Josefstadt, zählte in Österreich zu den bekanntesten Charakterdarstellern seiner Generation. International wurde er vor allem als Hauptdarsteller in Götz Spielmanns Oscar-nominiertem Drama „Revanche“ von 2008 wahrgenommen.
Johannes Krisch besaß die seltene Gabe, Figuren nicht zu spielen, sondern sie im Augenblick zu erleben - und das Publikum daran teilhaben zu lassen.
Der ehemalige Josefstadt-Direktor Herbert Föttinger nannte Krisch „einen der bedeutendsten Schauspieler seiner Generation“ und würdigte insbesondere dessen Rolle als Karl Bockerer, die „untrennbar mit seinem Namen verbunden bleiben wird“, wie ORF und Tagesspiegel berichten. Kulturminister Andreas Babler (SPÖ) erklärte in einer Aussendung, man würdige „Johannes Krisch als Menschen und sein vielseitiges schauspielerisches Schaffen“. Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler bezeichnete den Verstorbenen als „einen der außergewöhnlichsten Charakterdarsteller seiner Zeit“.
Vom Tischler zum Kammerschauspieler
Krisch wurde am 8. Dezember 1966 in Wien geboren und absolvierte zunächst eine Tischlerlehre, bevor er sich der Schauspielerei zuwandte. Nach ersten Engagements am Ensembletheater am Petersplatz holte ihn Claus Peymann 1989 ans Burgtheater, dem er über Jahre angehörte. Später wechselte er an die Josefstadt, wo er als Karl Bockerer gefeiert und für den Nestroy-Preis nominiert wurde. Für seine Rolle in Elisabeth Scharangs „Jack“ - dem Filmporträt des Serienmörders Jack Unterweger - erhielt Krisch 2016 den Österreichischen Filmpreis als bester Hauptdarsteller. Ein Jahr später folgten der Große Diagonale-Schauspielpreis und der Berufstitel Kammerschauspieler.
Bereits 2012 hatte Krisch bei einem Bühnenunfall in Berlin schwere Verletzungen erlitten, als er nahezu zwei Meter tief stürzte und sich Wirbelsäulen- sowie Zwerchfellverletzungen zuzog. 2023 musste er nach Angaben der Nachrichten aus Oberösterreich die Hauptrolle in Peter Turrinis Uraufführung „Es muss geschieden sein“ zurückgeben und zog sich zugleich als Intendant der Raimundspiele Gutenstein zurück. Zu seinen jüngeren Arbeiten zählte Adrian Goinigers „Märzengrund“ von 2022, in dem er den Einsiedler Elias verkörperte. Über sein eigenes Verhältnis zur Bühne hatte er dem Tagesspiegel einmal beschrieben: „Ich spuck’ dreimal auf den Bühnenboden und klopf’ auf Holz.“ Krisch wirkte seit 1987 in mehr als vierzig Kino- und Fernsehproduktionen mit, darunter Serien wie „Braunschlag“, mehrere „Tatort“-Folgen und Netflix’ „Freud“.