Die Staatsanwaltschaft Dortmund prüft eine Wiederaufnahme des Ermittlungsverfahrens gegen den YouTuber Jean Pierre „JP“ Kraemer. Eine Sprecherin der Behörde bestätigte am Sonntagabend gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, dass ein entsprechender Antrag der Anwältin von Kraemers Ehefrau Julia Meck vorliege - dieser werde nun geprüft, auch unter Einbeziehung der jüngsten Berichterstattung. Parallel meldeten am Wochenende weitere Werbepartner den Rückzug: Borussia Dortmund nahm die Modekollektion „BVB x JP Performance“ aus dem Sortiment, der Getränkehersteller Gönrgy beendete die Zusammenarbeit öffentlich.

Wie wir am Sonntag berichteten, hatte die 25-jährige Meck der BILD von Kontrolle, psychischem Druck und wiederkehrender Gewalt in ihrer zweijährigen Ehe erzählt und Strafantrag gestellt. Kraemer hatte zuvor in einem YouTube-Video eingeräumt, seiner Frau „mindestens einmal mit der flachen Hand“ ins Gesicht geschlagen und ihr eine Kette vom Hals gerissen zu haben. Laut t-online kam ein weiteres Detail hinzu: Kraemer habe seine Frau am Hals und an den Haaren gepackt.

Erstes Verfahren war eingestellt worden

Das erste Verfahren nach dem Polizeieinsatz am 26. Juli in der Dortmunder Villa des Paares hatte die Staatsanwaltschaft bereits eingestellt. Grund: Beide Beteiligten hatten am Tatort auf Strafanträge verzichtet, ein öffentliches Interesse an einer Weiterverfolgung sah die Behörde damals nicht. Nach der öffentlichen Beschuldigung durch Meck und Kraemers eigenem Geständnis hat die Anwältin die Wiederaufnahme beantragt. Die Sprecherin verwies laut dpa darauf, dass die Prüfung die neuen Presseberichte und Kraemers Video-Statement einschließe.

Bereits Ende Juli war ein polizeiliches Kontaktverbot gegen Kraemer erwirkt worden, das nach BILD-Recherchen um weitere sechs Monate verlängert wurde. Der 45-Jährige darf seine Villa in Dortmund vorerst nicht mehr betreten. Die Polizei hatte gegen ihn Anzeige „wegen vorsätzlicher einfacher Körperverletzung und Sachbeschädigung“ gestellt.

Werbepartner brechen weg

Der finanzielle Druck auf Kraemers Firmengeflecht wächst. Borussia Dortmund teilte am Montag mit, die im Frühjahr präsentierte gemeinsame Modelinie sei „nicht mehr Teil unseres Sortiments und wird daher auf unserer Website nicht mehr angeboten“. Der Energy-Drink-Hersteller Gönrgy, der zum Umfeld des Streamers MontanaBlack gehört, erklärte in einer Stellungnahme: „Wir beenden aus diesem Grund die Zusammenarbeit mit Jean Pierre Kraemer und distanzieren uns klar von Gewalt gegen Frauen und Gewalt jeder Art.“ Zuvor hatten bereits die Streaming-Plattform Joyn und MontanaBlack persönlich Verträge und Formate mit dem Dortmunder Tuning-Kanal beendet.

Wir beenden aus diesem Grund die Zusammenarbeit mit Jean Pierre Kraemer und distanzieren uns klar von Gewalt gegen Frauen und Gewalt jeder Art.
- Gönrgy, Stellungnahme via t-online

Kraemer selbst hatte am Freitagabend eine Auszeit angekündigt: Er wolle vorerst zu seinem Vater ziehen und eine Therapie beginnen. Wann und wie sein Format „JP Performance“ fortgesetzt wird, blieb offen. Der Kanal, Kern eines über Jahre gewachsenen Firmenverbunds mit einem Umsatz im dreistelligen Millionenbereich, hat seit Bekanntwerden der Vorwürfe keine neuen Videos veröffentlicht.