Am vierten Juneteenth seit der Aufnahme in den Bundesfeiertagskalender hat das Weiße Haus erneut auf eine Proklamation verzichtet. Donald Trump äußerte sich am Freitag weder vom Rednerpult noch über sein Netzwerk Truth Social zum Sklaverei-Gedenktag, wie unter anderem der öffentlich-rechtliche US-Sender PBS sowie das National Public Radio dokumentierten. Eine Suche auf whitehouse.gov nach „Juneteenth“ lieferte zur Mittagszeit Ortszeit keinen einzigen Treffer für 2026. Zur selben Stunde eröffnete in Chicagos Süden das Barack Obama Presidential Center - ein 850 Millionen Dollar teures Museum, dessen Datum nach Angaben der Stiftung bewusst auf diesen Freitag gelegt wurde.

Juneteenth erinnert an den 19. Juni 1865, als Unionstruppen unter General Gordon Granger in Galveston, Texas, das Ende der Sklaverei verkündeten - zweieinhalb Jahre nach Abraham Lincolns Emancipation Proclamation. Joe Biden machte den Tag im Sommer 2021 zum bundesweiten Feiertag. Trump, der in seiner ersten Amtszeit jährlich eine Grußbotschaft verschickt und sich einmal sogar gerühmt hatte, den Tag „sehr berühmt“ gemacht zu haben, schwieg schon im Juni 2025 und schrieb stattdessen auf Truth Social: „Zu viele arbeitsfreie Feiertage in Amerika. Es kostet unser Land Milliarden Dollar, all diese geschlossenen Unternehmen zu erhalten.“ Ein zweites Mal in Folge bleibt nun auch das traditionelle Schreiben aus.

Restoring Truth and Sanity

Das Schweigen fügt sich in eine Reihe von Entscheidungen. Per Dekret „Restoring Truth and Sanity to American History“ ordnete Trump im vergangenen Jahr an, Ausstellungen in den vom National Park Service betreuten Stätten zu überarbeiten, die den Rassismus der USA thematisieren. Im April 2026 bestätigte der Bundesberufungsgerichtshof des dritten Bezirks, dass die Regierung die Tafeln am President's House Site in Philadelphia ändern darf, die an die von George Washington gehaltenen Sklavinnen und Sklaven erinnern; Historikerinnen sprachen laut Salon von einer „Weißwaschung“. Bereits Ende 2025 strich der Park-Service Juneteenth und den Martin-Luther-King-Day von der Liste der eintrittsfreien Tage und ersetzte sie durch den Flag Day am 14. Juni - jenen Tag, an dem Trump seinen 80. Geburtstag feierte.

Juneteenth muss Teil des Widerstands gegen die Auslöschung schwarzer Geschichte und gegen die Weißwaschung der Vergangenheit sein.
- Patricia Schechter, Historikerin, gegenüber The American Prospect

Land of Hopes and Dreams

Das Obama Presidential Center auf einem rund acht Hektar großen Campus im Jackson Park war seit 2021 in Bau. Bei der Eröffnungsgala am Donnerstagabend traten nach Berichten von PBS, CBS Chicago und Rolling Stone unter anderem Bruce Springsteen, Stevie Wonder, Bono, John Legend, Eddie Vedder, Christina Aguilera, Jennifer Hudson und The Roots auf. Neben den Obamas waren mit Bill Clinton, George W. Bush und Joe Biden alle lebenden früheren US-Präsidenten anwesend; Trump nahm nicht teil. Springsteen sang „Land of Hopes and Dreams“, drehte sich zu den Obamas um und sagte: „I love you.“ Wonder spielte „All I Do“ und „Signed, Sealed, Delivered (I'm Yours)“.

Museumsdirektorin Louise Bernard sagte zur Eröffnung, das Zentrum solle Besucherinnen und Besucher einladen, „Veränderung nach Hause zu tragen, wie auch immer Veränderung definiert wird, klein oder groß“. Auf dem Gelände entstanden ein Replika des Oval Office, eine Filiale der Chicago Public Library, ein Basketballplatz und ein von Michelle Obama angelegter Garten. Bis zu eine Million Besuchende pro Jahr erwartet die Stadt nach Angaben von ABC7 Chicago. Der Eintritt zum Museum kostet Geld, die öffentlichen Flächen sind frei zugänglich.

In Galveston, dem Ursprungsort des Feiertags, zogen wie in jedem Jahr Familien durch den Wright Cuney Park, in Atlanta gab es eine Parade, in Houston Dominoturniere. Bürgerrechtsgruppen organisierten landesweit „Opal Lee Walks“, 2,5 Meilen lang - eine Strecke für jedes Jahr, das die Nachricht von der Emanzipation 1865 nach Texas gebraucht hatte. Lee, die das Bundesgesetz von 2021 maßgeblich mit angestoßen hatte, wurde im Frühjahr 100 Jahre alt. Während Trump in Washington schwieg, fasste die Demokratin Angie Nixon, Abgeordnete im Repräsentantenhaus Floridas, die Stimmung gegenüber Salon zusammen: „Solange wir kämpfen, müssen wir trotz allem Freude finden.“