Joe Kaeser, Aufsichtsratsvorsitzender von Siemens Energy, hat Duisburg als möglichen Sitz für den geplanten neuen Konzern ins Spiel gebracht, der aus der Abspaltung der Sparte Transformation of Industry (TI) hervorgehen soll. Die Ruhrstadt sei „ein plausibler Kandidat für den künftigen Firmensitz“, weil sie der größte deutsche Standort der Einheit sei, zitieren mehrere Finanzmedien aus einem Interview, das Kaeser vergangene Woche der Tageszeitung Welt gab.

Der frühere Siemens-Vorstandschef beschrieb den geplanten Spin-off im Welt-Interview als „tolle Chance“. Wenn das Vorhaben gelinge, entstehe „ein neues deutsches Unternehmen von Weltrang, das ein weiterer Kandidat für den Dax ist“, heißt es in Berichten von Finanztrends und Börse Global. Die Ankündigung sortiert Siemens Energy in die Reihe deutscher Konzerne ein, die derzeit einzelne Sparten an die Börse führen oder neu strukturieren.

Wenn wir das gut machen, entsteht hier ein neues deutsches Unternehmen von Weltrang, das ein weiterer Kandidat für den Dax ist.
- Joe Kaeser, Aufsichtsratsvorsitzender Siemens Energy, in der Welt

17.000 Beschäftigte, 5,7 Milliarden Euro Umsatz

Die abzuspaltende Sparte umfasst Industriedampfturbinen, Kompressoren, Generatoren, Motoren sowie das Geschäft mit maritimen und Subsea-Technologien. Rund 17.000 Beschäftigte erwirtschafteten laut Siemens Energy im vergangenen Geschäftsjahr Umsätze von etwa 5,7 Milliarden Euro bei einer operativen Marge von 11,3 Prozent. Kaeser begründete den Schritt mit strukturellen Unterschieden zwischen dem Industriegeschäft und der klassischen Energietechnik: Es handele sich um „zwei Welten“ mit unterschiedlichen Kundengruppen, Zyklen und Technologien, so der Aufsichtsratschef gegenüber der Welt.

Für Duisburg wäre eine Hauptsitzentscheidung ein wirtschaftspolitisches Signal. Die Stadt vermarktet sich seit Jahren als Industriedrehscheibe im Ruhrgebiet und beherbergt an mehreren Standorten Fertigung und Entwicklung des Bereichs. Eine offizielle Standortentscheidung des Vorstands steht nach Angaben von Siemens Energy allerdings noch aus. Der Konzern hatte bereits Mitte Juli angekündigt, ab Ende 2026 unter dem neuen Dach „Omterra“ zu firmieren, um Siemens Energy und die Windtochter Siemens Gamesa unter einer gemeinsamen Marke zu bündeln.

Umbaupfad mit politischer Flanke

Parallel zum Spin-off nutzt Kaeser die aktuelle Bühne, um sich wirtschaftspolitisch zu positionieren. In der jüngsten Interviewrunde warnte er vor protektionistischen Reflexen in der exportabhängigen Bundesrepublik und forderte nach dem AfD-Erfolg bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern einen wirtschaftspolitischen Impuls. Analysten von Bloomberg beziffern den möglichen Börsenwert des künftigen TI-Ablegers auf mehr als zehn Milliarden Euro. Ein konkreter Zeitplan für den Börsengang fehlt bislang. Die Siemens-Energy-Aktie notierte am Montag laut Börsendaten bei rund 145 Euro und liegt seit Jahresbeginn deutlich im Plus.