Cyle Larin hat Kanada zum historischen ersten WM-Punkt geköpft, geschoben, gestochert - und damit eine Serie von sechs Niederlagen im Eröffnungsspiel der Gruppe B beendet. Der eingewechselte Stürmer traf am Freitagabend im BMO Field in Toronto in der 78. Minute zum 1:1 gegen Bosnien-Herzegowina, das durch Jovo Lukic früh in Führung gegangen war. Vor rund 40.500 Zuschauern sicherte Kanada damit als Mitausrichter der Weltmeisterschaft den ersten Zähler seiner dritten Turnierteilnahme.
Bosnien-Herzegowina, das sich erst in den Playoffs gegen Wales und Italien für das Turnier qualifiziert hatte, startete forsch. In der 21. Minute kam Lukic nach einer Ecke an die zweite Stange und drückte den Ball aus kurzer Distanz über die Linie. Die Mannschaft von Trainer Sergej Barbarez zog sich anschließend zurück und überließ den Gastgebern den Ball, ohne im eigenen Strafraum in Panik zu verfallen.
Bei den Kanadiern fehlte Alphonso Davies vom FC Bayern wegen einer Oberschenkelverletzung, was das Tempospiel auf den Außenbahnen sichtbar verlangsamte. Bei Bosnien blieb Routinier Edin Dzeko mit 40 Jahren zunächst auf der Bank, der frühere Stuttgarter Ermedin Demirovic vergab seinerseits in der zweiten Halbzeit eine Großchance auf das 2:0.
Joker Larin dreht das Spiel
Mit dem Druck der Schlussphase kam die Wende: Trainer Jesse Marsch brachte Larin in der 75. Minute, drei Minuten später vollendete der Joker eine Kombination über die linke Seite, an deren Anfang Mittelfeldspieler Ismael Kone stand. Kurz zuvor hatte Richie Laryea die kanadische Latte getroffen, in der Nachspielzeit blockte die bosnische Abwehr einen letzten Larin-Abschluss aus der 96. Minute noch ab. Mit 13:8 Torschüssen, so die Sportschau, war Kanada das spielbestimmende Team.
Das war ein sehr spezieller Moment für mich, aber ich war bereit, ins Spiel zu kommen und ein Tor zu schießen.
Marsch, der die kanadische Mannschaft seit 2024 betreut, sah die Wende vor allem als Verdienst seiner Wechsel. „Wir haben gemerkt, dass wir das Spiel im Griff hatten und fingen an, es zu dominieren. Dann kamen die Einwechselspieler und brachten die Wende“, sagte der frühere RB-Leipzig-Trainer im Anschluss bei der Sportschau. Vor dem Spiel hatte Kanada bei sechs WM-Auftritten der Geschichte keinen einzigen Punkt geholt.
In der Gruppe B treffen beide Teams nun auf die Schweiz und Katar, die am Samstag in San Francisco ihren Auftakt spielen. Bosnien-Herzegowina kann mit dem Remis gut leben, weil die schwierigste Aufgabe als gemeistert gilt. Kanada wiederum spürt nach dem späten Ausgleich, dass nach Jahrzehnten der WM-Ernüchterung mehr drin sein könnte als nur das Heim-Programm.