Vancouver. In der Nacht von Donnerstag auf Freitag spielt Kanada um 0 Uhr MESZ im BC Place gegen Katar. Beide Mannschaften haben den Auftakt 1:1 abgeschlossen - Kanada gegen Bosnien-Herzegowina in Toronto, Katar gegen die Schweiz in San Francisco -, alle vier Gruppe-B-Teams stehen folglich punktgleich da. Für Trainer Jesse Marsch ist die Ausgangslage ein Geschenk und eine Belastung zugleich: Wer gegen den vermeintlich schwächsten Gegner Katar nicht gewinnt, gerät am dritten Spieltag in Bedrängnis.
Marsch hat seine Erwartungshaltung im Vorfeld nicht versteckt. „Wir wollen den Gruppensieg“, sagte er bereits vor Turnierbeginn gegenüber Blue News - und schob nach, das mögen viele für unrealistisch halten, „aber das ist unsere Einstellung“. Vor dem Vancouver-Spiel betonte er gegenüber dem Tagesspiegel, er erwarte „ein volles Stadion in roten Trikots“. Es sei seine Aufgabe, dafür zu sorgen, dass die Mannschaft auf dem Platz „ihr Bestes gibt und die Leute stolz sein können“. Marsch hat seit seiner Berufung 2024 wiederholt davon gesprochen, Kanada brauche „amerikanische Arroganz“, nicht nur Bescheidenheit, um zur Weltklasse aufzuschließen.
Bescheidenheit und Freundlichkeit machen noch lange keine Champions.
Personell deutet vieles auf eine Rückkehr von Alphonso Davies in den Kader hin. Der Bayern-Verteidiger fehlte gegen Bosnien wegen muskulärer Probleme, in Vancouver, seiner sportlichen Heimat, ist der Trainerstab nun zuversichtlich. Im Sturm setzt Marsch auf Jonathan David, jüngst von Juventus verpflichtet, der mit 39 Toren in 77 Länderspielen seit Jahren zu den verlässlichsten Torschützen der CONCACAF-Region zählt. Tajon Buchanan und Cyle Larin komplettieren die Offensive, im Mittelfeld wird Stephen Eustáquio die Bälle verteilen.
Lopeteguis Katar wartet auf das erste WM-Tor
Katar wird betreut von Julen Lopetegui, dem ehemaligen spanischen Bundestrainer und Real-Madrid-Coach, der den Verband nach dem letztjährigen Aus in der Asien-Qualifikation übernommen hatte. Beim Auftakt gegen die Schweiz schaffte sein Team das 1:1 durch Karim Boudiaf und ärgerte Murat Yakins Mannschaft 90 Minuten lang. Allerdings ist Katar bei dieser WM noch ohne Torschütze aus dem Spiel heraus; das Boudiaf-Tor in Vancouver war ein abgefälschter Schuss. Im Vorbereitungsspiel hatte Katar zuletzt 0:3 gegen Tunesien beim Arab Cup verloren.
Sportlich klar dominieren wird Kanada nur, wenn der Heim-Effekt zieht. Marsch will laut ESPN das gleiche Stimmungsbild herstellen, das Toronto gegen Bosnien gebracht hatte - ein „feindseliges Umfeld“ für Gegner und Schiedsrichter. Bei einem Sieg und gleichzeitiger Schweizer Niederlage gegen Bosnien wäre Kanada nach 180 Minuten so gut wie durch. Bei einem weiteren Remis muss sich der Gastgeber am dritten Spieltag, dem 24. Juni in Toronto gegen die Schweiz, voll strecken.