Wie wir am 15. Juni berichteten, hat Kap Verde dem Europameister Spanien beim WM-Auftakt in Atlanta ein 0:0 abgerungen. Drei Tage später liefern Opta-Daten den statistischen Beleg für die Sensation: Die „Blauen Haie“ begingen in den 90 Minuten gegen Spanien lediglich ein einziges Foul. So wenig hat seit Beginn der detaillierten Datenerfassung 1966 keine Mannschaft in einem WM-Spiel verzeichnet, wie der Kicker unter Berufung auf Opta meldet.

Bisherige Rekordhalter waren das DFB-Team und Costa Rica, die jeweils mit drei Fouls in einem WM-Spiel auskamen. Joachim Streichs Generation traf den Wert 1974 in der Vorrunde gegen Chile beim 1:0, Costa Rica im Gruppenspiel gegen Deutschland in Katar 2022 beim 2:4. Kap Verde drückt diese Marke nun auf ein Drittel - bei 26 zu 74 Prozent Ballbesitz, gegen den amtierenden Europameister, im ersten WM-Spiel der eigenen Geschichte.

Bubista: „Kontrolle ist nicht nur Ballbesitz“

Trainer Pedro „Bubista“ Brito ordnete den Auftritt nach Schlusspfiff demonstrativ ein. „Natürlich kann man sagen, dass Spanien fast das gesamte Spiel über den Ballbesitz hatte“, sagte Bubista in der FIFA-Pressekonferenz. „Aber die Kontrolle über das Spiel besteht nicht einfach nur darin, den Ball zu kontrollieren. Wir haben es auf eine andere Art und Weise gemacht.“ Die Zahlen geben ihm recht: Torhüter Vózinha parierte laut Sportschau sieben Schüsse, darunter Versuche von Ferran Torres (45.) und Aymeric Laporte (45.+3), und entschärfte einen Großteil der elf spanischen Ecken bereits in der Luft.

Die Kontrolle über das Spiel besteht nicht einfach nur darin, den Ball zu kontrollieren. Wir haben es auf eine andere Art und Weise gemacht.
- Pedro „Bubista“ Brito, Trainer Kap Verdes, in der FIFA-Pressekonferenz

Spaniens Trainer Luis de la Fuente attestierte seinem Team Bemühen ohne Ertrag. „Wir haben es immer wieder versucht“, sagte de la Fuente laut ZDFheute. „Es gibt solche Spiele, in denen es einfach nicht klappen will. Man versucht es, aber das Tor will nicht fallen.“ Mikel Oyarzabal stellte in derselben Partie eine andere, weniger schmeichelhafte Opta-Marke auf: kein einziger spanischer Stürmer kam im Spiel zu einem Schuss aufs Tor. Lamine Yamal, in der 71. Minute eingewechselt, fand gegen die kapverdische Fünferkette ebenfalls keine Lücke.

Für die Mannschaft aus dem Inselstaat mit 500.000 Einwohnern ist der Punkt mehr als sportliche Statistik. „Verrückt! Es ist verrückt!“, sagte Mittelfeldspieler Jamiro Monteiro auf der Mixed Zone. Vózinha, dessen Vertrag beim portugiesischen Zweitligisten Chaves an diesem Tag nur noch 15 Tage Laufzeit hatte, sprach gegenüber Sky vom „größten Moment meines Lebens“. Bubista zeigte sich nach dem Schlusspfiff sichtlich gerührt - in seinem FIFA-Interview sprach er wiederholt von „Mut“, wie die Sportschau notierte.

Die nächste Aufgabe wartet in Gruppe H am 22. Juni im Hard Rock Stadium in Miami gegen Uruguay, das zum Auftakt 1:1 gegen Saudi-Arabien spielte. Bubista wird seine Mannschaft kaum umstellen müssen. Wer Spanien mit einem einzigen Foul vom Tor fernhält, hat eine Defensivstruktur, die auch gegen Marcelo Bielsas Selección trägt.