Würzburg ist seit Mittwoch das Zentrum des deutschen Katholizismus. Auf dem Residenzplatz hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den 104. Deutschen Katholikentag eröffnet, an diesem Freitag stellt sich Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ab 11 Uhr in einer Podiumsrunde unter dem Titel „Gemeinsam Zukunft gestalten“ den Fragen junger Menschen. Parallel haben nach Stadtangaben rund 800 Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine Gegenkundgebung an der Pleichertorstraße angemeldet, organisiert vom Bündnis „Offenes Antifaschistisches Treffen“ gemeinsam mit Fridays for Future und der Seebrücke.

Das Treffen läuft unter dem Leitwort „Hab Mut, steh auf!“ und endet am Sonntag. Die Veranstalter erwarten nach Angaben des Bistums Würzburg rund 30.000 Dauerteilnehmer und ähnlich viele Tagesgäste, dazu etwa 900 Einzelveranstaltungen vom Gottesdienst über Konzerte bis zu Podien zu Demokratie, Missbrauchsaufarbeitung und Klima. Steinmeier sprach bei der Eröffnung vor rund 9.000 Besuchern und warnte vor Resignation: „Wir müssen aufhören, uns selbst in die Ohnmacht und das Land in den Abgrund zu reden“, sagte der Bundespräsident, dessen Amtszeit im März 2027 endet. „Eine Welt ohne Hoffnung und ohne Zuversicht, das ist nicht unsere Welt.“

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), der sich selbst als evangelisch-lutherischen Christen bezeichnete, plädierte für die Sichtbarkeit der Kirchen in der Gesellschaft: „Ohne Glauben wäre für mich das Leben auch einsamer“, sagte er nach Berichten von katholisch.de und sprach sich gegen die Streichung christlicher Feiertage aus. ZdK-Präsidentin Irme Stetter-Karp nutzte die Eröffnung für eine Mahnung in Richtung der Bischöfe und des Papstes: „Wir müssen aufstehen für mehr Beteiligung“, forderte sie - eine Lesart des Leitworts als Beteiligungsanspruch der Laien.

Wir müssen aufhören, uns selbst in die Ohnmacht und das Land in den Abgrund zu reden.
- Frank-Walter Steinmeier, Bundespräsident, bei der Eröffnung des Katholikentags

Merz-Auftritt unter Protest-Vorzeichen

Für die Veranstalter ist der Auftritt des Kanzlers an diesem Freitag der politische Höhepunkt der Woche. Vor dem Congress-Centrum hat das Bündnis seine Kundgebung von 10 bis 13 Uhr angemeldet - sie überspannt damit den gesamten geplanten Auftritt von Merz. Das offizielle Motto der Gegenkundgebung lautet „Gemeinsam für eine Zukunft ohne Merz & Menschenfeindlichkeit“. Die Organisatoren werfen dem Kanzler nach Angaben des Sonntagsblatts vor, er inszeniere sich als Zuhörer, während seine Politik Menschen systematisch benachteilige. Auch Steinmeier ist auf dem Katholikentag eingeplant, allerdings nicht in derselben Runde.

Würzburg ist nach Angaben des Veranstalters der vierte Katholikentag in der Stadtgeschichte, der erste seit 1907. Der Freistaat Bayern unterstützt die Veranstaltung mit drei Millionen Euro. Bischof Franz Jung, Gastgeber im eigenen Bistum, hatte zur Eröffnung formuliert: „Die Welt braucht nicht noch mehr Hoffnungslosigkeit“, und den Glauben als „Quelle der Hoffnung“ beschrieben. Erstmals wird der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche bei einem Katholikentag auch künstlerisch verarbeitet. Eine Menschenkette aus rund 30 Reformgruppen forderte am Eröffnungstag „mutige Reformen in allen Bereichen“.

Wenig Rückenwind aus der Statistik

Die Kirche tritt unter ungünstigen Vorzeichen auf. Söder räumte ein, dass die Institution „Hunderttausende“ Mitglieder verliere, und plädierte gleichwohl für staatliche Förderung christlicher Schulen. Steinmeier knüpfte am Ende seiner Eröffnungsrede einen persönlichen Wunsch daran, dass er als Bundespräsident zum letzten Mal auf einem Katholikentag sprechen werde, und plädierte für „Mehr Ökumene“. Mit dem Schlussgottesdienst am Sonntag endet die Veranstaltung.