Hinter weißen Planen und auf einem über Nacht errichteten Gerüst haben Arbeiter in Washington in den frühen Morgenstunden des Samstags damit begonnen, den Schriftzug „Donald J. Trump“ von der Fassade des John F. Kennedy Center for the Performing Arts zu entfernen. Variety berichtet, der Abbau habe kurz nach drei Uhr Ortszeit begonnen und rund eine Stunde gedauert. Damit endet eine seit Monaten andauernde juristische Auseinandersetzung um die im Dezember vollzogene Umbenennung des wichtigsten staatlichen Hauses für darstellende Kunst in den USA.

Bundesrichter Christopher Cooper am US-District Court für den District of Columbia hatte am 29. Mai entschieden, dass die Umbenennung in „The Donald J. Trump and The John F. Kennedy Memorial Center for the Performing Arts“ gegen das Stiftungsgesetz von 1964 verstößt. Wie das juristische Fachportal beck-aktuell zitiert, stützt der Beschluss sich darauf, dass der Kongress die Einrichtung damals namentlich festgelegt habe und damit allein das Parlament eine Änderung beschließen könne. Cooper setzte dem Haus eine Frist von 14 Tagen für die Entfernung; Klägerin im Verfahren war die demokratische Abgeordnete Joyce Beatty aus Ohio, die als Ex-officio-Mitglied im Aufsichtsrat sitzt.

Trump hatte den Aufsichtsrat im Frühjahr 2025 weitgehend ausgetauscht, mehrere Mitglieder entlassen und den Diplomaten Richard Grenell als Übergangsleiter eingesetzt. Der neu besetzte Vorstand votierte im Dezember einstimmig für die Namensergänzung, woraufhin zahlreiche Künstler ihre Auftritte absagten und etwa ein für Heiligabend geplantes Jazz-Konzert ausfiel. Vor dem Gebäude hatten sich nach Angaben von 20 Minuten am Freitagabend Schaulustige versammelt, die den Abbau auf Sprechchöre wie „Nehmt ihn runter!“ begleiteten.

Nehmt ihn runter!
- Sprechchor vor dem Kennedy Center, zitiert nach 20 Minuten

Berufung gescheitert, scharfe Töne auf Truth Social

Bis zuletzt versuchte das Weiße Haus, den Vollzug zu stoppen. Ein Eilantrag am Berufungsgericht des D.C. Circuit wurde am Freitagabend abgewiesen, ebenso ein vorgelagerter Antrag bei Cooper selbst. Auf Truth Social bezeichnete Trump den Richter laut Tagesspiegel und werra-rundschau.de unter anderem als „anti-Trump hater“ und kritisierte ihn als von Barack Obama ernannten Juristen. Trump kündigte zudem an, die Verwaltung des Hauses an den Kongress zurückgeben zu wollen - eine vor allem rhetorische Drohung, weil die Aufsicht ohnehin beim Parlament liegt.

Cooper untersagte in seinem Urteil zugleich die für Juli vorgesehene zweijährige Renovierungsschließung des Hauses. Der Aufsichtsrat habe, wie die werra-rundschau.de unter Berufung auf die Urteilsbegründung schreibt, versäumt, die Folgen für Spielbetrieb und Einnahmen zu prüfen. Damit kann insbesondere das National Symphony Orchestra, das am Kennedy Center seine Heimspielstätte hat, weiterspielen. Parallel zur Entfernung des Schriftzugs verschickte die Intendanz laut NPR ein internes Memo, wonach Trumps Name umgehend aus E-Mail-Signaturen, Briefköpfen und Voicemail-Ansagen zu tilgen sei; Website und Drucksachen sollten bis zum 12. Juni angepasst werden.

Der Verlust der Namensrechte ist nicht Trumps einziger Plan in der Hauptstadt: Wie der Tagesspiegel berichtet, kündigte der Präsident eine „Trump-Promenade“ zwischen Lincoln Memorial und Potomac an. Auch der geplante 400-Millionen-Dollar-Ballsaal am Ostflügel des Weißen Hauses ist nach einer Entscheidung von Bundesrichter Richard Leon vorerst gestoppt. Trump warnte Leon auf Truth Social, der Richter werde „persönlich verantwortlich“ gemacht, sollte das Projekt blockiert bleiben.