Nadine Keßler geht in die Politik. Die 38-jährige frühere Fußball-Nationalspielerin wird neue Staatsministerin für Sport und Ehrenamt im Bundeskanzleramt und rückt damit ins Machtzentrum der Bundesregierung auf. Das erfuhr das Handelsblatt am Montag aus Regierungs- und Parteikreisen; mehrere andere Redaktionen bestätigten die Personalie im Lauf des Vormittags. Keßler folgt auf die bisherige Amtsinhaberin Christiane Schenderlein (CDU), die als Parlamentarische Staatssekretärin ins Bundesgesundheitsministerium unter Carsten Linnemann wechselt.
Für den DFB ist der Wechsel ein Symbolpunkt: Erstmals leitet eine ehemalige aktive Nationalspielerin die zentrale Sportkoordination im Kanzleramt - keine zwei Wochen nach der Vorstellung von Jürgen Klopp als Bundestrainer und knapp elf Monate vor der WM in Nordamerika. Ressortthemen wie die Reform der Sportförderung, die 2032er-Olympiabewerbung und der geplante Sportfördergesetz-Nachfolger fallen in ihre Zuständigkeit. Merz begründete den Zugriff nach Informationen des Handelsblatts mit dem Wunsch, Fachwissen aus dem organisierten Sport unmittelbar an der Kabinettstafel zu verankern.
Kessler und Kellermann sind Weltfußballerin und Welttrainer
Keßlers Karriere ist ungewöhnlich verdichtet. 2011 wechselte sie vom 1. FFC Turbine Potsdam nach Wolfsburg und führte den VfL 2014 zum Triple aus Meisterschaft, DFB-Pokal und Champions League - das erste in der Geschichte des deutschen Frauenfußballs. Im selben Jahr wurde sie als bislang letzte deutsche Spielerin FIFA-Weltfußballerin. Wenige Monate darauf zwang eine hartnäckige Knieverletzung sie zum Karriereende mit 28. Seit 2022 verantwortet Keßler als Direktorin den Frauenfußball bei der UEFA und sitzt im Managementboard des Verbandes.
Wechsel mitten im Kabinettsumbau
Die Berufung ist Teil der zweiten Runde von Personalentscheidungen, die Merz seit Donnerstag durchzieht. Nachdem Nina Warken vom Gesundheits- ins Kanzleramt gewechselt war und Linnemann sein Amt als CDU-Generalsekretär abgeben musste, war die Sportressort-Position im Kanzleramt frei geworden. Am Montag wählte der CDU-Bundesvorstand zeitgleich die Hamburger Bundestagsabgeordnete Franziska Hoppermann zur neuen Generalsekretärin. Steffen Bilger übernahm bereits am Samstag das Verkehrsressort. Vereidigt werden Keßler und die weiteren Neuzugänge nach Angaben des Handelsblatts erst im September, wenn der Bundestag aus der Sommerpause zurückkehrt.
Ob Keßler ihr UEFA-Mandat weiterführt, ließen ihre bisherigen Arbeitgeber am Montag offen. Die UEFA hatte die 38-Jährige 2016 unmittelbar nach dem Karriereende in ihre Frauenfußball-Abteilung geholt und im Oktober 2022 zur Direktorin befördert. Aus ihrem Umfeld hieß es dem Handelsblatt zufolge, sie werde ihre Aufgaben in Nyon in den kommenden Wochen ordnen.