Kevin Keegan ist tot. Der zweifache Ballon-d'Or-Gewinner und Meister mit dem Hamburger SV starb nach Angaben seiner Familie am Montag im Alter von 75 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung. Zu seinen letzten Stunden hätten Ehefrau Jean und die Töchter am Bett gestanden, teilten die Angehörigen mit. Keegan hatte seine Diagnose Anfang 2026 öffentlich gemacht; Anfang Juni war bekannt geworden, dass die Krankheit ein Endstadium erreicht habe.

Der HSV reagierte am Montagabend mit einem offiziellen Nachruf. „Der Hamburger SV trauert um Kevin Keegan“, schrieb der Verein auf hsv.de. „Mit Kevin Keegan verliert der Weltfußball eine seiner prägendsten Persönlichkeiten.“ Der Klub bezeichnete den Engländer als „Publikumsliebling“ und „Ausnahmespieler“ und versicherte, man werde „seinem ehemaligen Meisterspieler und zweifachen Ballon-d'Or-Gewinner stets ein ehrendes Andenken bewahren“. Der Text endet mit dem Satz: „Ruhe in Frieden, ‚Mighty Mouse‘.“

Keegy war ein Spielertyp, wie ihn sich auch heute noch jede Mannschaft wünschen kann. Er hat sich immer der Mannschaft untergeordnet und mit seiner Art alle um sich herum angezündet.
- Horst Hrubesch, ehemaliger HSV-Sturmpartner, zitiert von hsv.de

Zwei Ballons d'Or in drei Jahren beim HSV

Keegan war 1977 vom FC Liverpool nach Hamburg gewechselt und wurde zum bislang einzigen HSV-Spieler, der den Ballon d'Or gewann - und zwar gleich zweimal in Folge, 1978 und 1979. Nach Zählung des Vereins bestritt er zwischen 1977 und 1980 90 Pflichtspiele in Rot-Weiß und erzielte 32 Tore. Der Höhepunkt war die deutsche Meisterschaft in der Saison 1978/79, als Hamburg mit ihm und Horst Hrubesch im Sturm den Titel holte. Bei einer Körpergröße von 1,70 Metern galt Keegan als schnell, kopfballstark und - laut Vereinsnachruf - als Spieler, der „sich immer der Mannschaft untergeordnet“ habe.

Vor der Bundesliga hatte Keegan sechs Jahre lang den FC Liverpool geprägt. Mit den Reds gewann er dreimal die englische Meisterschaft (1973, 1976, 1977), zweimal den UEFA-Cup und 1977 den Europapokal der Landesmeister. Nach seinen HSV-Jahren kehrte er 1980 auf die Insel zurück, spielte für Southampton und Newcastle United und beendete seine aktive Karriere 1985. Für die englische Nationalmannschaft absolvierte er 63 Länderspiele und erzielte 21 Tore.

„Entertainer“ in Newcastle, kurze Zeit als englischer Nationaltrainer

Als Trainer prägte Keegan vor allem Newcastle United. Von 1992 bis 1997 formte er dort das offensiv ausgerichtete Team, das als „Entertainers“ in die Klub-Geschichte einging und 1996 nur um vier Punkte an Manchester United den Meistertitel verpasste. „Kevin Keegan war eine der ikonischsten, einflussreichsten und beliebtesten Figuren in der Geschichte unseres Klubs“, schrieb Newcastle United in seinem Nachruf und dankte ihm dafür, den Verein an der Seite seines Vaters Joe „verstanden“ zu haben. Später trainierte er Fulham und Manchester City. Von 1999 bis 2000 stand Keegan als Nationaltrainer an der Seitenlinie der englischen Auswahl, ehe er nach einem 0:1 gegen Deutschland im letzten Länderspiel im alten Wembley-Stadion überraschend zurücktrat.

In der offiziellen Erklärung der Familie, die unter anderem die ZDFheute und die HSV-Mitteilung wiedergeben, heißt es, Keegan sei ein „sehr geliebter Ehemann, Vater und Großvater“ gewesen. Die Angehörigen dankten dem medizinischen Team für die Betreuung in den vergangenen Monaten und baten um Ruhe. Newcastle United kündigte an, „zu gegebener Zeit“ eine bleibende Würdigung seines Lebens am St. James' Park zu schaffen.