Die Zahl der Todesopfer nach dem massiven russischen Luftangriff auf die ukrainische Hauptstadt Kiew ist auf 30 gestiegen. Rettungskräfte bargen am Freitag drei weitere Leichen aus den Trümmern, wie der ukrainische Katastrophenschutz mitteilte. Über 90 Menschen wurden bei dem Angriff in der Nacht auf Donnerstag verletzt, wie unter anderem Euronews, Tagesspiegel und ZDFheute berichten. Da die Suche in den zerstörten Wohnhäusern weiter läuft, ist ein weiterer Anstieg der Opferzahl möglich.
Russland setzte nach ukrainischen Angaben ein außergewöhnlich großes Waffenpaket ein. Der Angriff umfasste rund 570 Flugkörper, darunter vier Zircon-Raketen, 24 Iskander-Raketen und rund 500 Shahed-Drohnen. Etwa 130 Gebäude in Kiew wurden beschädigt. Der Kommandeur der ukrainischen Luftwaffe, Jurii Ihnat, wies darauf hin, dass Russland neben klassischen Shahed-Modellen erstmals in dieser Größenordnung reaktive Drohnen mit erweiterter Ausstattung eingesetzt habe.
Wir stehen für einen gerechten Frieden, ein gerechtes Ende des Krieges - und solange es das nicht gibt, für gerechte Reaktionen.
Auch humanitäre Infrastruktur getroffen
Zu den Zielen gehörte auch das Kiewer Zentrallager des Roten Kreuzes. Nach Angaben der ukrainischen Rotkreuz-Sektion wurde das Depot vollständig zerstört. Rund 320.000 Hilfsgüter im Wert von etwa 1,7 Millionen Euro seien vernichtet worden - darunter Generatoren, Defibrillatoren, Ultraschallgeräte, Notdecken und Hygienesets. Auch das Logistikzentrum des Verlags BookChef brannte aus, rund 800.000 Bücher gingen in Flammen auf.
Präsident Wolodymyr Selenskyj besuchte am Donnerstag den Anschlagsort und forderte eine internationale Reaktion. „Wir stehen für einen gerechten Frieden, ein gerechtes Ende des Krieges - und solange es das nicht gibt, für gerechte Reaktionen“, sagte er nach einem Bericht des Tagesspiegel. Deutsche Regierungsvertreter äußerten sich am Freitag zunächst nicht formell. Die Union hatte in den vergangenen Tagen betont, den kommenden Nato-Gipfel in Ankara auch für eine Ausweitung der europäischen Verteidigungsproduktion zu nutzen.
Für die Ukraine ist es einer der schwersten Kombiangriffe der jüngeren Kriegsphase. Der Umfang der eingesetzten Waffen und die Zahl der beschädigten zivilen Gebäude verdeutlichen, dass Russland seine Luftschlag-Kampagne gegen die Hauptstadt trotz westlicher Waffenlieferungen bislang nicht spürbar reduziert hat. Die ukrainische Flugabwehr habe zwar den Großteil der Ziele abgefangen, doch das schiere Volumen des Angriffs habe Lücken geöffnet, hieß es aus dem Luftwaffenkommando.