Der ZDF-Fernsehgarten am 12. Juli 2026 hatte das Motto „90er-Jahre-Party“ - und bekam sein Nachspiel eine Woche später. Moderatorin Andrea Kiewel begrüßte zwei Pokémon-Sammler auf der Bühne des ZDF-Sendezentrums in Mainz, die ihr Karten in mehreren Sprachen zeigten. Als sie eine japanische Karte in die Kamera hielt, ordnete Kiewel sie live als chinesisch ein und imitierte, während sie den Text zu deuten vorgab, eine Lautfolge, die als Klischee-Nachahmung des Chinesischen kursiert: „Ching Chang Chong“. Der Ausschnitt verbreitete sich über die Woche in sozialen Netzwerken; das ZDF sah sich am Wochenende zu einer förmlichen Stellungnahme gezwungen.
In der offiziellen Erklärung des Senders heißt es: „Im ‚ZDF-Fernsehgarten‘ mit dem Motto ‚90er Jahre‘ wurde der damals aufkommende ‚Pokémon‘-Trend beleuchtet. Die spontan getätigte Äußerung war der Live-Situation geschuldet und keinesfalls rassistisch gemeint.“ Und weiter: „Andrea Kiewel bedauert ihre Worte und entschuldigt sich dafür. Das ZDF stellt sich explizit gegen jede Form von Rassismus.“ Eine eigene Wortmeldung der Moderatorin liegt bislang nicht vor.
Ich distanziere mich von solchen Aussagen, aber sowas von.
Am Mittwoch meldete sich die Sammlerin, die live auf der Bühne stand, selbst zu Wort. Viki Ketchum, unter @vikiketchum auf Instagram aktiv, schrieb, sie distanziere sich „von solchen Aussagen, aber sowas von“, und erklärte den Live-Moment: „Ich war so schockiert, als das passiert ist, dass ich gar nicht schnell genug reagieren konnte.“ Sie bedauere, dass „eine eigentlich coole Sache jetzt so überschattet ist“, sagte Ketchum in Richtung Fangemeinde. Zuvor hatte der Sammler-Influencer @mr.fujicards die Szene öffentlich eingeordnet: „Was die Moderatorin dort gesagt hat, zeigt mal wieder, wie tief der Alltagsrassismus in den Medien sitzt.“
Was folgt aus einem Live-Ausrutscher?
Für das ZDF ist die Frage, was das Statement politisch trägt. Der Sender erklärt die Äußerung mit der Live-Situation, entschuldigt sich formell im Namen der Moderatorin und positioniert sich zugleich gegen Rassismus - eine Formel, die Absicht und Wirkung säuberlich trennt. Kritikerinnen und Kritiker in den sozialen Netzwerken argumentieren, genau diese Trennung sei das Problem: Ob eine Passage rassistisch wirke, entscheide nicht die Intention der Sprecherin, sondern die Wahrnehmung derer, die adressiert seien.
Der Fernsehgarten läuft seit 1986 sonntagsvormittags im ZDF, Kiewel moderiert die Sendung seit 2000. Der Vorfall reiht sich in eine Serie kleinerer Kontroversen ein, die in der jüngeren Vergangenheit meist folgenlos blieben. Ob sich das dieses Mal ändert - etwa durch eine ausführlichere Erklärung der Moderatorin selbst -, dürfte sich in den kommenden Sendungen zeigen.