Bei der DFB-Pressekonferenz im Trainingsquartier Winston-Salem hat sich Kapitän Joshua Kimmich am Dienstag deutlich vor Leroy Sané gestellt. „Ich finde das nicht verständlich“, sagte Kimmich auf die Frage nach der Kritik an dem Außenspieler. „Er war extrem engagiert, er hat mich auf unserer Seite nie allein gelassen, ist immer zurückgesprintet.“ Sané hatte beim 7:1-Auftakt gegen Curaçao zwei klare Torchancen ausgelassen und auf der rechten Außenbahn keine eigenen Akzente gesetzt; in den Einzelkritiken erhielt er Schulnoten zwischen vier und fünf, wie wir am Montag berichteten.
Schon Bundestrainer Julian Nagelsmann hatte Sané nach Abpfiff in der ARD in Schutz genommen; einen Tag später griff der Kapitän das Thema öffentlich auf. Kimmich machte deutlich, dass die Mannschaft Offensivspieler nicht ausschließlich nach Toren bewerte. „Natürlich ist es cool, wenn er jedes Spiel drei Tore macht, aber es gibt auch andere Aufgaben, die er zu erfüllen hat. Das hat er sehr, sehr gut gemacht“, zitierte Sport1 den Bayern-Profi. Auch an Sanés Körpersprache, an der sich Beobachter zuletzt rieben, hatte Kimmich nichts auszusetzen. „Wenn ich sehe, wie er sich freut, wenn wir Tore machen - das ist wirklich sehr auffällig bei Leroy“, sagte er der Sportschau.
Deswegen verstehe ich die Kritik nicht, speziell nach einem 7:1.
Was am Samstag in Toronto wartet
Beim ersten Auswärtsspiel der Gruppenphase trifft das DFB-Team am Samstag um 22 Uhr deutscher Zeit im BMO Field in Toronto auf die Elfenbeinküste, die ihr Auftaktspiel gegen Ecuador torlos 0:0 beendet hatte. Kimmich warnte ausdrücklich vor den körperlich starken Afrikanern, vor allem aber vor Yan Diomandé. „Er hat eine brutale Entwicklung genommen, den hat vor einem Jahr kaum jemand gekannt“, sagte der DFB-Kapitän. Den Dribbelstil des 19-Jährigen verglich er mit dem von Kingsley Coman. Auch das dritte Gruppenspiel gegen Ecuador, das in Philadelphia ebenfalls 0:0 spielte, ordnete Kimmich als unangenehm ein. Die Ecuadorianer „verteidigen sehr gut“, sagte er auf der Pressekonferenz.
Über die innere Verfassung der Mannschaft sprach Kimmich auffallend nüchtern. „Das gute Gefühl entsteht auf dem Platz“, sagte er; das Teamgefüge wachse durch Leistung und gemeinsame Erfolge, nicht durch organisierte Freizeit. Am Montag hatte der Kader in Winston-Salem einen Regenerationstag absolviert, der Dienstag war ein freier Tag - Spieler wie Niclas Füllkrug und Maximilian Mittelstädt nutzten ihn nach Angaben des DFB für einen Stadtbummel. Erst am Mittwoch nimmt Nagelsmann die taktische Vorbereitung auf Toronto auf.
Die Personalie Sané bleibt damit zwar offen, aber innerhalb des Teams unaufgeregt eingeordnet. Die Sportschau hatte am Montag Jamie Leweling vom VfB Stuttgart als möglichen Wechsel auf die Außenbahn ins Gespräch gebracht und alternativ ein System mit Kai Havertz auf dem Flügel und Deniz Undav als Mittelstürmer skizziert. Der Auftritt des Kapitäns deutet darauf hin, dass Nagelsmann zunächst bei seinem bisherigen Personal bleiben dürfte. Sané selbst trat in Winston-Salem nicht vor die Presse.