Klaus-Michael Kühne, langjähriger Mehrheitsgesellschafter des Logistikkonzerns Kühne+Nagel und einer der reichsten Deutschen, ist tot. Der gebürtige Hamburger starb in der Nacht zum Montag im Alter von 89 Jahren in seinem Wohnort Schindellegi im Schweizer Kanton Schwyz. Das Unternehmen bestätigte den Tod am Montagvormittag, wie unter anderem ZDFheute und t-online berichteten.
„Mit dem Tod von Klaus-Michael haben wir einen Visionär, einen großen Unternehmer und eine außergewöhnliche Persönlichkeit verloren“, erklärte Jörg Wolle, Verwaltungsratspräsident der Kuehne+Nagel International AG, in einer Mitteilung des Unternehmens. Vorstandschef Stefan Paul sprach der Witwe Christine Kühne im Namen der 88.000 Beschäftigten sein Beileid aus. Kühne führte die 1890 in Bremen gegründete Spedition seiner Familie ab 1966 als Vorstandsvorsitzender, seit 2011 war er Ehrenpräsident des Konzerns.
Mit dem Tod von Klaus-Michael haben wir einen Visionär, einen großen Unternehmer und eine außergewöhnliche Persönlichkeit verloren.
Vom Bremer Spediteur zum Weltkonzern
Unter Kühnes Führung wuchs das Familienunternehmen zu einem der weltweit führenden Logistikdienstleister mit rund 1.300 Standorten in etwa 100 Ländern. Über die 1993 gegründete Kühne Holding hielt er zudem bedeutende Beteiligungen an der Reederei Hapag-Lloyd, der Deutschen Lufthansa und dem Fernbus-Unternehmen Flixbus. Bloomberg führte ihn 2021 zeitweise als reichsten Deutschen, das Manager Magazin taxierte sein Vermögen zuletzt auf rund 23,5 Milliarden Euro.
Politisch mischte sich der in der Schweiz lebende Kühne wiederholt in die Bundesrepublik ein: t-online listet mindestens 550.000 Euro an Parteispenden über zwei Jahrzehnte, zuletzt 70.000 Euro an die CDU im Februar 2025. Seinen deutschen Pass gab er nie ab; nach eigenen Angaben nahm er weiter an Bundestagswahlen teil.
Trauer beim HSV, kritische Bilanz in Hamburg
Beim Hamburger SV, dessen zweitgrößter Anteilseigner Kühne war, sollen die Profis am Montagabend im DFB-Pokal gegen den SC Verl mit Trauerflor auflaufen, wie die Bild berichtete. Der Verein würdigte den langjährigen Geldgeber in einer Mitteilung als „treuen Gesellschafter, Unterstützer und leidenschaftlichen Fan“ und erklärte, „KMK“ sei immer für den HSV da gewesen, wenn er ihn brauchte. Kühne hatte 2015 die Umbenennung des Volksparkstadions zurückgekauft und die Namensrechte 2025 erneut für drei Jahre bis 2028 gesichert.
Die taz zeichnete in ihrem Nachruf ein ambivalenteres Bild. Kühne sei zwar ein prägender Hamburger Mäzen und Investor gewesen, habe sich aber schwer damit getan, die NS-Geschichte des Familienunternehmens aufzuarbeiten. Kühne+Nagel hatte in der Zeit des Nationalsozialismus den jüdischen Mitgesellschafter Adolf Maass verdrängt und war laut Historikern an der Verwertung geraubten jüdischen Eigentums beteiligt. Kühne räumte zuletzt ein, sich stärker mit dem Thema zu befassen, „auch weil ich ständig darauf angesprochen werde“.
Klaus-Michael Kühne war seit 1989 mit Christine Kühne verheiratet, das Paar hatte keine Kinder. Sein Vermögen fließt nach früheren Ankündigungen in die 1976 gegründete Kühne-Stiftung, die nach Angaben des Konzerns zu den größten Stiftungen Europas zählt und Projekte in Logistik, Klimaschutz, Medizin und Kultur fördert.